Seit Wochen wird Zeter und Mordio geschrien, wenn es um die in Deutschland relativ neue und unbekannte Plattform Pinterest geht. Alarmglocken schrillen, es wird nach Verbotsschildern für Pinterest gefordert, die man in seinem Blog einbauen sollte, um jeden darauf hinzuweisen, dass man eine bösartige Urheberrechtsverletzung begeht. Mir fallen dazu eigentlich keine Worte mehr ein und ich muss den Kopf darüber schütteln, wie schon wieder die Bleistifte der Anwälte gespitzt werden, nur um jemanden abzumahnen, der ein Bild in sein Pinterest Board eingefügt hat.
Doch was ist Pinterest eigentlich? Warum wurde es mal gegründet?
Ursprünglich wurde Pinterest in den USA als eine Empfehlungsmarketing-Plattform erfunden. Nach dem Motto: Ich finde ein Produkt toll und teile es mit anderen. Da der Shop gleich mit verlinkt wird und auch bei jedem weiteren Pin vererbt wird, ist es für potentielle Kunden leicht möglich das Produkt zu kaufen. Irgendwann hat sich Pinterest zu dem entwickelt was es heute ist, eine virtuelles visuelles Board, ohne Texte, indem man sich von Bild zu Bild hangelt. In dem Bilder und deren Inhalte nach Themen sortiert sind.
Eigentlich wollte ich bei Pinterest nicht mitmachen, weil ich keine Zeit für eine weitere soziale Plattform habe. Aber dann kam ein Einladungslink von einer amerikanischen Bekannten und schon war ich drin. Und ich liebe es. Es ist so leicht, sich dort Inspirationen zu holen. Sich durch Bilder zu klicken und wenn ich sehen will, wer dahinter steckt, bin ich sofort auf dem Blog oder der Seite, woher das Bild stammt.
Ich liebe die Sammlungen anderer Leute. Erst heute habe ich eine tolle Sammlung von Disney Fotografien von Annie Leibovitz entdeckt. Würde Sie die Leute abmahnen, nur weil Sie ihre Bilder bei Pinterest pinnen und zeigen “die Fotos finde ich toll?” Sicherlich nicht.
Zumal Pinterest gerade bei Fotografen im angelsächsischen Raum äußerst beliebt ist. Erst letztens habe ich in einem englisch-sprachigen Magazin einen tollen Artikel gelesen, warum Pinterest eine der besten Marketingplattformen für Fotografen ist. Und in Deutschland? Undenkbar!
Hier gehen die Fotografen auf die Barrikaden. Jemand könnte ja das Foto klauen und im Internet ohne seine Erlaubnis verbreiten. Doch ich frage mich, warum stelle ich ein Foto im Internet ein? Ich möchte es anderen zeigen und andere wiederum zeigen es anderen. So wie ich es auch auf meinem Blog tue, dann bei 500px oder in Facebook zeige. Dort wird es auch geteilt, geliked und weiter empfohlen. Ich zeige meine Bilder im Internet, weil ich möchte, dass sie jemand kauft oder mich als Fotografin engagiert.
Ich bin der Meinung, solange wie niemand unter mein Foto sein Name schreibt und es weiterverkauft, ist es völlig in Ordnung. So rief mich heute Frau Doktor an und fragte ob sie meine Fotos pinnen dürfte. Natürlich! Ich freue mich darüber, denn schon jetzt kommen etliche Besucher auf meine Seite und sicherlich auch zukünftige Kunden. Zumal bei Pinterest die ursprüngliche Quelle erhalten bleibt, meine Fotos nur in Webqualität vorliegen und ein Wasserzeichen zu sehen ist.
Mir ist völlig schleierhaft, wie und warum meine Fotografen- und Blogkollegen in Deutschland so denken. Aber Gott sei Dank nicht alle. So gibt zum Beispiel das Pinterestboard von der Aktion Sonntagssüss. Jeder der sich immer wieder Sonntags mit Fotos und einem Rezept-Blogartikel beteiligt, wird in Pinterest gepinnt. Hier ist eine einzigartige Rezeptsammlung erschienen.
Wie gehe ich nun mit Pinterest um? Das ist eine gute Frage, da ich ja nun schon das “Glück” besessen habe, in eine Abmahnfalle getappt zu sein. Und so habe ich für mich beschlossen, nur ausländische Fotos zu pinnen oder Boards zu folgen. So lange, bis auch Deutsche begriffen haben, dass Pinterest eine großartige, kreative Plattform ist oder das weltweit einzigartige deutsche Abmahngesetz geändert und ein Missbrauch ausgeschlossen wird.
PS: Meine Fotos, die ich unter janasworld.de veröffentlicht habe, dürfen gerne gepinnt werden!
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in Sachen Urheberrechts sehe ich es genau so meine Illustrationen liken ist ok, ausdrucken und an die Wand hangen auch noch ok, Geld mit verdienen nicht mehr ok, und ich social Media addict habe na klar auch einen Account bei Pinterest und zwar hier : http://pinterest.com/pvandokkum/ die Boards for Sale und Portfolio sind alles meiner und können gerne repinned werden, abgemahnt wird da nicht.
lg aus Bielefeld
Wie du weißt bin ich ja nicht unbedingt ein Fan dieser ganzen Social Media Plattformen. Ich freunde mich gerade mit Facebook an, habe Twitter aufgegeben, da ich es zu doof fand. Aber Pinterest – Herrlich! Ich hole mir hier Anregungen für Rezepte, Anregungen, wie ich Fotos gestalten kann, Anregungen für Bastelarbeiten und sehe jede Menge toller Fotos, die mcih begeistern. Ich sehe das genauso wie du: ich stelle meine Bilder ins Netz, damit man sich die anschaut. Da kann ich wohl kaum ZeterMordio schreien, wenn jemand dann tatsächlich guckt und dieser jemand das jemand anderem zeigen will: guck mal, das finde ich toll…! Der Link zum Urheber bleibt schließlich erhalten. Geklaut werden kann auch von meiner Website, meinem Flickr-Account und, ja, überall.
Ich stehe auch auf dem Standpunkt, dass ich mir so viel aus dem Netz hole – Anregungen, Ideen, Tutorials – nicht alles, was im Netz steht ist Müll. Also kann ich doch auf der anderen Seite kaum anfangen zu zetern, nur weil sich jemand anders die Anregungen bei mir holt?
Ich jedenfalls freue mich über Pins :-) Gegen Klauen habe ich was; ich habe auch was dagegen, wenn sich jemand als Urheber meiner Fotos ausgibt. Aber weiterverbreiten? Nö, immer.
Abgesehen von erheblichen eigenen Erfahrungen bei Urheberrechtsverletzungen – auf die ich garnicht eingehen möchte – scheint mir das Beispiel von Annie Leibovitz nicht glücklich gewählt. Sie zählt zu den renommiertesten Fotografinnen der Welt. Vor ein paar Jahren bin ich ihr mal begegnet, und ich glaube nicht, dass sie ungefragten Veröffentlichungen ihrer Fotos zustimmen würde. ( Bei ihren derzeitigen Millionenschulden wäre das auch nicht schlau. ) Aber hier spielt noch etwas anderes eine Rolle. Annie Leibovitz wird in der ganzen Welt von eigenen Agenten vertreten, die Auftraggeber sind meist große Agenturen oder Verlage ( z.B. Disney ). Die Veröffentlichungsinteressen sind also sehr vielfältig und je nach Vertrag auch von Annie Leibovitz nicht allein zu steuern. Also ganz so leicht ist es nicht. Noch als Hinweis: Annie Leibovitz verkauft außer ihren Häusern in New York auch die Bildrechte ihres großartigen Lebenswerkes um ihre Schulden zu bezahlen. ( da zeigt sich wie wichtig das Recht am eigenen Bild werden kann ).
Das interessante ist doch, das ich erst über Pinterest auf die Disney Sammlung gekommen bin und sie hier erwähnt habe. Das ist Marketing. Darüber verkauft sie Bilder. Die, die im Internet veröffentlicht wurden, was soll man damit machen? Ich kann sie nicht ausdrucken, sie haben etliche Signaturen. Ich schaue sie mir nur an und würde, wenn ich irgendwann mal ganz viel Geld habe, sogar eins kaufen. Bis dahin erfreue ich mich daran. Was hier in Deutschland wieder draus gemacht wird, ist eine Farce und dient nur denjenigen, die mit Abmahnungen Geld verdienen. Das hat schon lange nichts mehr mit dem Schutz von Urheberrechten zu tun.
ich drücke dir heftig die Daumen, damit du dir das mal leisten kannst !
Oh man, da hast du mir ja was gezeigt. Habe vor kurzem mal kurz das Wort Pinterset bei jemandem gelesen, aber sonst war es mir bis heute völlig unbekannt.
Es hat das Potenzial ein weiterer Ort zu werden, auf dem ich zu viel Zeit verbringe o_O
Soweit ersichtlich, ist doch ganz klar, dass der Poster nicht der Urheber ist, von daher, wo ist das Problem? (Habe bisher noch keine Diskussionen dazu verfolgenden können, darum eine unreflektierte Meinung)
Hoffe jetzt jedenfalls, dass ich bald einen Einladungscode bekomme. Habe ein Rezept gesehen, dass ich zu gern pinnen würde. Selbstgemachte Snickers, was eine zuckersüße Bombe :)
Ich kann dir gerne eine Einladung schicken…
Vielen Dank, hab sie gleich angenommen :)
Würdest du mir auch eine schicken Jana :) Danke!
Danke schön :)
Diese ganze Abmahnerei ist doch wirklich zum k*tzen. Für mich ist Pinterest ein Ort der Inspiration. Egal ob es um Fotos, Backrezepte oder eine Strickanleitung geht. Solange die Quelle dabei steht ist das doch in Ordnung. Und wenn sich jemand ein Bild ausdruckt (und mit 72er Auflösung zufrieden ist), was soll’s?!
Just my 2 Cent,
lg, coffee
Ich habe es auch vor ein paar Wochen entdeckt und mag es sehr. Wie du benutze ich es auch gerne für Rezepte, oder Inneneinrichtungsideen.
Bei diesem Abmahungsmüll muss ich sofort an ACTA denken. Wenn das wirklich durchkommen sollte, was ich nicht hoffe, ist jegliche Idee auf so einer Basis sofort tot und man wird automatisch zum Schwerverbrecher.. Also momentan habe ich echt Angst um das “böse Internet”….
Ich habe auch gegen die ACTA unterschrieben und ich hoffe, dass noch mehr ihre Petition dazu abgeben.
http://www.avaaz.org/de/eu_save_the_internet_spread/?slideshow
Ich auch.
Hallo Jana,
hat es Dich also auch erwischt? Ich bin schon geraume Zeit bei Pinterest und liebe diese Plattform. Mit Facebook, Twitter und Komsorten kann ich nichts anfangen, aber Pinterest hat mich sofort begeistert.
Kennst Du schon Pinspire?
http://www.pinspire.de/
Das soll wohl die deutsche Antwort auf Pinterest sein, die angegebene Adresse ist in Italien. Vielleicht interessiert Dich das ja auch und Deine Leser. :)
Hab einen schönen Abend und mach weiter so mit Deinem tollen Blog, ich schaue regelmäßig rein.
Liebe Grüße, Tina
Ja, ich habe von dem Clone schon gehört und das ist etwas was ich gar nicht mag, wenn so etwas 1:1 kopiert wird…. wenn man ein Bild dort veröffentlicht, wird man abgemahnt, aber gegen eine 1:1 Kopie wird nicht vorgegangen.
Hallo Jana
du sprichst mit diesem Beitrag aus dem Herzen. Ich hab auf pinterest fast alle meine Boards gelöscht. Ich hab keine Lust auf eine Abmahnung. Bis her bin ich zwar verschont und das ist bei 14 Jahren Web doch recht prima, aber toi toi toi, man weiß ja nie. Mich ärgert diese typisch deutsche Haltung und wünschte mir wir wären mal ein bisschen lockerer mit unserer ewigen Paragraphenreiterei.
Liebe Grüsse an dich,
Beatrice
ja, etwas mehr Lockerheit und die Menschlichkeit, auch mal etwas anderen zu gönnen, wäre eine Eigenschaft, die ich mir mehr wünschen würde.
Aufgrund dieser Veröffentlichung des Rechtsanwaltes Schwenke habe ich meinen Pinterest-Account gelöscht:
http://spreerecht.de/social-media-2/2012-02/pinterest-und-die-rechtlichen-grenzen-beim-teilen-und-verlinken
Das einzige, was mich an meinem Pinterest-Account wirklich interessiert hat, war ein Inspiration-Board, mit den Werken anderer Fotografen, die mir sehr gefallen. Rein optisch ist das ein Festschmaus, alle seine Favoriten auf so nette Art und Weise gesammelt zu sehen und sich da durch zu klicken. Ich wollte das Board also in erster Linie nur für mich und fand die Idee, es z. B. von meinem Blog aus zu verlinken, ganz klasse.
Allerdings habe ich überhaupt keine Lust, immer genauestens zu recherchieren, aus welchem Land das Bild kommt, wie genau die Rechte-Vergabe z. B. bei Flickr aussieht (da kann man den “like”-Button nämlich abschalten, was signalisiert, dass man das Bild nicht geteilt sehen möchte ) und irgendwann dann mächtig Stress zu haben, weil ich etwas übersehen habe.
Schade.
Ich finde es schlimm, das man dich und andere so dermassen einschüchtert, dass du es aus ANGST löschst. Und wie schreibt der Herr Schwenke so schön in deinem verlinkten Artikel:
Zitat: “Der Rechtslage steht im Gegensatz zu dem Verständnis der meisten Internetnutzer, die im Teilen keinen Rechtsverstoß sehen. Doch das Urheberrecht ist nicht für die Nutzer gemacht, sondern für die Verwertungsindustrie. Und diese findet es verständlicherweise nicht gut, wenn sie die Verfügungsmacht über Ihre Inhalte verliert. Die größere Gefahr sehe ich jedoch bei Rechteinhabern, die die Kuratierungsplattformen dazu nutzen könnten, um einfach Geld zu “erwirtschaften”.”
Das sagt ja schon alles. Soviel zum Thema Urheberrecht….
Also, ich sehe das eher als AUFKLÄRUNG, denn als Einschüchterung, denn ich bin naiv davon ausgegangen, dass mein Handeln (pinnen) rechtlich schon ok ist, wenn es dafür eine solche öffentliche Plattform gibt. Gedankenlos.
Und nun zu faul, um alles genau zu recherchieren, was auch dem “pin it” – Gedanken widerspricht ;-)
Es wird Zeit, dass das deutsche Urheberrecht an heutige Maßstäbe angepasst und den Abmahnungswellen Einhalt geboten wird. Leider befürchte ich können wir von unseren Politikern wenig erwarten… Egal wen man wählt, es sind doch alles nur Lobbyisten der Industrie, die das Urheberrecht zum Teil für sich ausnutzen um noch mehr Profit zu machen :-(
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