Rezension: Ein König für Deutschland

Es gibt liebgewonnene Autoren, zu denen ich immer wieder zurückkomme. Ein solcher ist Andreas Eschbach. Das Jesus-Video, das erste Buch, das ich von ihm gelesen habe, hat mich fasziniert: was wäre wenn…ein Zeitreisender 2.000 Jahre in der Zeit zurückreist und ein Video von Jesus aufnimmt. Was wäre heute damit? Welche Interessensgruppen wollen das Video zeigen, welche unterschlagen? Ein spannender Thriller mit einer abgedrehten Story. Herrlicher Leestoff.

Das zweite Eschbach-Buch war Ausgebrannt. Ebenso spannend mit einem brennend aktuellen Thema: was wäre wenn…die Araber die Wahrheit über den Zustand ihrer Ölquellen verschwiegen haben? Was passiert, wenn plötzlich nicht mehr genügend Öl zur Verfügung steht? Ich habe das Buch ebenso verschlungen wie das Jesus-Video.

Kürzlich, beim Stöbern nach neuem Lesefutter, ist mir wieder ein Eschbach in die Hände gefallen. Beim Lesen des Klappentextes konnte ich nicht widerstehen: was wäre wenn…in Deutschland plötzlich ein König gewählt werden würde? Die Buchidee war so verrückt, daß das Buch nun ein neues Zuhause in meinem Regal gefunden hat.

Zur Story:

Ein Gedankenspiel: was wäre, wenn in Deutschland plötzlich die Monarchie wieder eingeführt werden würde und keiner weiß, wie es so weit kommen konnte? Wie könnte dieser König an die Macht kommen? Eschbachs Idee ist herrlich abgedreht, aber gar nicht so realitätsfern, wie auf den ersten Blick vermutet, denn es geht um Wahlbetrug.

Zwei Hauptfiguren erscheinen im Buch, Vater und Sohn. Der Sohn, Vincent, lebt in den USA und hat seinen deutschen Vater noch nie gesehen, denn dieser hatte nur eine kurze Affäre mti Vincents Mutter. Vincent ist Programmierer und Hacker. Auf der anderen Seite steht Simon König, geschieden und Vincents Vater, lebt als Geschichtslehrer in Detuschland. Ein ruhiges, beschauliches und mitunter etwas langweiliges Leben, das durch seine Gleichförmigkeit und Vorhersagbarkeit ausgezeichnet wird.

Vincent bringt die ganze Geschichte ins Rollen als er ein geheimes Computerprogramm für einen Abgeordneten der Republikaner entwickelt, das Wahlergebnisse verfälscht – so war es George W. Bush gelungen, in den USA die Macht zu ergreifen. Doch es gibt keinen Beweis. Der sizilianische Magier und Mafiamitglied Zantini, der Geliebte von Vincents Chefin, erfährt von dem geheimen Projekt und setzt den jungen Programmierer unter Druck, ein verbessertes Programm zu schreiben, das auf die Wahlcomputer, die in Detuschland eingesetzt werden, Einfluß nehmen soll. Vincent gibt schreibt das gewünschte Hackerprogramm und bekommt Angst. Er verschwindet klammheimlich und schickt die CD an seinen unbekannten Vater in Deutschland.

Simon König, auf der anderen Seite des Ozans wird von den Ereignissen, die ihn nach Erhalt der CD zustoßen, vollkommen überrollt: zuerst wird die CD gestohlen, dann setzen sich Vincents Hackerfreunde mit ihm in Verbindung, um zu verhindern, daß Zantini das Programm an den Meistbietenden verkauft. Sie wissen: ein Geheimcode ist im Programm versteckt, der einer Buchstabenkombination eine überwältigende Mehrheit der Stimmen zuschreibt. Die logische Folge: sie gründen eine Partei, die sich für die Wiedereinsetzung der Monarchie engagiert – niemand, der klaren Verstandes ist, so der Plan, würde diese Partei wählen, so daß ein eindeutiger Betrug nachgewiesen werden könnte.Und ausgerechnet der spießige Geschichtslehrer Simon ist der Auserwählte…

Resumée:

Eher ein Naja als ein WOW. Die Idee war so abgedreht, daß sie mir nur gefallen konnte. Nur leider war die Umsetzung eher schwach. Die Geschichte war durchsetzt mit detaillierten Beschreibungen der Wahlcomputer, was den Computerlaien überfordert und – ehrlich gesagt – auch sehr vom Lesefluß ablenkte. Die Gestalten waren hölzern und hatten nur wenig Bezug zueinander, tauchen auf geheimnisvolle Weise auf, tauchen wieder ab, ohne daß man weiß, warum sie jetzt überhaupt aufgetaucht sind. Endlose Beschreibungen vom Wahlvorgang, wieso und weshalb und warum wechseln sich ab mit zwischenmenschlichen Beziehungskisten, die ebenso überflüssig wie unglaubwürdig sind. Was zu kurz kommt ist die Erzählung was nach der Wahl kommt – das Ende ist enttäuschend und es sieht so aus, als hätte Eschbach hastig noch die Geschichte abgeschlossen um die Deadline einzuhalten. Wie der große Zaubertrick vollzogen werden konnte verrät Eschbach in guter Bühnenmagietradtion natürlich nicht, was aber nicht geheimnisvoll, sondern eher wie ein billiger Trick wirkt, um sich aus einer Erklärung herauszuwinden, die er nicht geben kann. Schade. Es ist kein schlechtes Buch aber leider eben auch kein besonders gutes. Es hätte ein Buch sein können, das sehr zum Nachdenken anregt, doch leider ist Eschbach hier an seinem Anspruch gescheitert. Ein spannender Lesespaß für Zwischendurch ist es aber trotzdem.

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Autor: Jana

Hallo, ich heiße Jana. Ich liebe das bloggen und die Fotografie ist meine größte Leidenschaft. Ich freue mich auf deinen Kommentar!

7 Kommentare

  1. Das Jesus Video zählt zu meinen absoluten Lieblingsbüchern. Aber bis jetzt habe ich mich davor gedrückt ein anderes Buch von Eschbach zu lesen. Irgendwie hat mich der Klappentext nie wirklich angesprochen bei seinen anderen Büchern. Wobei ich aber Ausgebrannt noch nicht in meinen Händen hielt.

    • Ausgebrannt fand ich wirklich originell, nur das Ende hat mich nicht überzeugt. Aber das scheint eine Schwäche von Eschbach zu sein, seine Enden sind (bisher) ziemlich unbefriedigend.

  2. Wir haben das Jesusvideo und den König als Hörbuch. Retrospektiv fand ich den König gar nicht schlecht, die technischen Abschnitte auch nicht so störend, aber es ist ewig her dass wir das gehört haben, und wenn dann meistens abends zum Einschlafen. Meine Meinung kann also durchaus getrübt sein. ;) Am Jesusvideo sitzen wir gerade, finde ich sauspannend bisher.

    • Vielleicht ist das Hörbuch ja auch gekürzt? Keine Ahnung. Wie gesagt: schlecht fand ich das Buch jetzt nicht aber es war leider auch nicht der Knaller. Ganz im Gegensatz zu den anderen beiden, die ich gelesen habe.

  3. Ich bin ein kleiner Lesejunkie und “König von Deutschland” steht schon seit langem auf meiner Wunschliste. Bisher hat mich der Preis immer abgeschreckt, in Verbindung mit den mehrheitlich doch eher weniger positiven Rezessionen. Naja, wer weiß, irgendwann werde ich es in die Finger bekommen und mir mein eigenes Urteil bilden. Die Story ist ja doch sehr abgedreht und vielversprechend.

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