Fotoschule Teil 1: Die Blende

Fotoschule

Sigrid vom Forsthaus hat mich letztens gefragt, ob ich ihr bei ein paar Fotofragen helfen könnte. Ihr Problem ist, dass sie bisher nur automatisch fotografiert hat und sich an die manuellen Einstellungen wie Blende und Belichtungszeit nicht ran traut. Diese Ängste kann ich nachvollziehen. Denn bis vor 2 Jahren habe ich mich auch davor gescheut, mich mit der Technik zu befassen. Fotobücher die ich zu diesem Thema gelesen hatte, waren mir zu technisch beschrieben, ich fand keinen Zugang. Dank Ronald alias Kampffussel hatte sich das verändert und ich möchte meinen Leserinnen, die auch gerne die manuellen Funktionen ausprobieren möchten, diese Ängste nehmen. Eigentlich ist es nicht sehr schwer.

Meine Fotoschule ist für all diejenigen gedacht, die zwar eine gute Spiegelreflex-Digitalkamera (DSLR) oder eine Bridge-Kamera haben, aber sich nicht trauen, diese auf „manuell“ umzustellen. Ich werde es auch sehr einfach und laienhaft beschreiben, und bitte jetzt schon bei den „Experten“ um Verzeihung. Für die Fotoschule habe ich recherchiert, wie andere Kamerabodys (so nennt man das Gehäuse) aussehen und wo die Einstellfunktionen sind. In meinen Beispielen habe ich eine Nikon, Canon, Sony und Minolta gegenüber gestellt, sodass man sieht, wo welche Einstellmöglichkeiten sich befinden. Solltest du einen Kamerahersteller verwenden, dann schick mir doch bitte ein Foto von der Draufsicht deiner Kamera, sodass ich dir die Funktionen markieren kann.

In meinem 1. Teil der Fotoschule geht es um die Blende.

Was ist die Blende?

In einem Objektiv befinden sich im Inneren Lamellen. Mit diesen Lamellen kann man steuern, wie viel Licht auf den Sensor fällt. Stelle ich eine große Blende z.B. 2.8 ein, fällt sehr viel Licht auf den Sensor. Stelle ich eine kleine Blende, z.B. 16 ein, dann schließen sich die Lamellen und weniger Licht dringt auf den Sensor. Das heißt, mit der Blende kann ich steuern, wie viel Licht durch das Objektiv auf den Sensor fällt. Aber nicht nur das. Sondern auch die Tiefenschärfe. Mit der Tiefenschärfe kann ich mein Bild gestalten. Stelle ich eine große Blende ein, sprich 2,8, dann habe ich eine geringe Tiefenschärfe und nur ein kleiner Ausschnitt des Bildes ist scharf. Das wird gerne bei Portraits oder in der Pflanzenfotografie eingesetzt. In der Landschafts- oder Architekturfotografie möchte man dagegen eine große Tiefenschärfe haben, daher stellt man dort z.B. die kleine Blende 8 – 16 ein.

Ich habe mir daher den Satz eingeprägt:

Kleine Blende ist eine große Zahl (wenig Licht, große Tiefenschärfe), große Blende eine kleine Zahl (viel Licht, kleine Tiefenschärfe).

Es gibt Fotografen, die sprechen immer von der „Offenblende“. Damit ist nicht anderes gemeint, als das hier eine Große Blende verwendet wurde.

Ein Beispiel für die Blende mit einem 50mm Objektiv:

1) Große Blende (2.8) mit viel Licht u.geringer Tiefenschärfe 2) Mittlere Blende (10) mit Tiefenschärfe

 Landschaftsfotografie Muldental

Wie kann ich die Blende manuell einstellen?

Das ist bei einer DSLR ganz einfach. Jeder Body hat eine Radfunktion, die neben dem automatischen Programm (grün), die Motivprogramme und die manuellen Programme beinhaltet. Ich habe eine Grafik vorbereitet, die die Bodys von Nikon, Canon, Sony und Minolta vergleicht. Im ersten Teil der Fotoschule möchte ich mit dem Blendenprogramm A anfangen. A bedeutet, dass ich die Blendenzahl manuell einstellen kann, aber die Belichtung automatisch von der Kamera eingestellt wird. Ich persönlich arbeite sehr gerne damit, wenn ich die Lichtsituation schwer einschätzen kann und in meiner Blümchenwiese liegend fotografiere.

Ich habe die Blendenfunktion A (bei Canon mit Av) gekennzeichnet. Ich müsst das Rad auf die Position A drehen. Im weiteren habe ich das 2. Einstellrad oben rechts unterstrichen. Das ist dafür da, die Blendenzahl einzustellen, indem man es vor- und zurück dreht. Nikon und Canon sind hier etwas im Vorteil, weil sie gleichzeitig ein Display haben, mit der ich mir die Blendenzahl anzeigen lassen kann. In meinem Beispiel steht bei der Nikon und Canon die Blende 5.6.

Bei Sony und Minolta wird die Blende sicherlich im Sucher oder im Display auf der Rückseite angezeigt. Das ist bei Nikon und Canon auch möglich, aber ich persönlich arbeite gerne mit dem oberen Display.

Woher weiß ich, ob ich ein Lichtstarkes Objektiv besitze?

Das ist ebenfalls ganz einfach zu erkennen. Ich fotografiere zum Beispiel gerne mit meinem Nikkor 50mm. Das hat eine Blende von 1.4 – 16. Das ist ein sehr lichtstarkes Objektiv. Der Hersteller schreibt zum Beispiel immer: Sigma „DC 18-200 mm 1:3.5-6.3“. Dieses Objektiv hat eine Blende von 3.5 bis 6.3. Das ist also nicht so lichtstark wie das 50mm. Generell gilt, dass Festbrennweiten Lichtstärker sind. Mein Nikkor 70-300mm hat z.B. nur eine Blendenöffnung von 4.5 – 5.6. Es hat zwar einen großen Zoom, dafür brauche ich fast immer ein Stativ, damit die Bilder nicht unscharf und verwackelt werden. Denn bei Zoom-Objektiven ändert sich die maximale Blendenöffnung mit Veränderung der Brennweite.

Warum gibt es Objektive, die eine fast gleiche Ausstattung haben, aber gleich 2000 Eur mehr kosten?

Auch das ist einfach erklärt. Denn die Lichtstärke hängt nicht nur von der Blende ab, sondern auch welches Glas zur Herstellung eines Objektives verwendet wurde. Sehr preisintensive Objektive werden aus einem ganz speziellen Glas hergestellt, das besonders wenig Licht verschluckt. Das geht soweit, dass früher Objektive bzw. deren Glas, zum Beispiel für Großformatkameras, aus Thoriumdioxid (siehe Punkt: Andere Anwendungen) hergestellt wurden. Thorium ist radioaktiv. Aber keine Angst, dass ist bei unseren Objektiven nicht der Fall :-)

Hausaufgabe

Ich hoffe, ihr habt verstanden, wobei es bei der Blende geht und wie ihr sie an eurer Kamera einstellen könnt.

Meine Hausaufgabe besteht nur darin, dass ihr den theoretischen Teil in die Praxis umsetzt. Nehmt euch eure Kamera und stellt sie auf ein Stativ. Wenn ihr kein Stativ habt, dann nehmt einen Schukarton, einen Bücherstapel oder irgendetwas anderes, auf dem ihr eure Kamera sicher stellen könnt. Sucht euch ein Motiv, z.B. eine Tasse, ein Spielzeug oder was euch immer gefällt. Es geht nicht um die Schönheit des Motivs!

Platziert das Motiv vor eurer Kamera und stellt es scharf. Beachtet dabei, wenn ihr ein Zoomobjektiv verwendet, dass ihr den Zoombereich nicht verändert. Im ersten Teil der Fotoschule ist der Einsatz des Autofokus erlaubt. Stellt bitte die größte Blende ein. Je nach eurem eingesetzten Objekt liegt die bei 1.8 bis 4.5. Macht bitte ein Foto. Dann dreht ihr das Rädchen bis zur nächsten Blende, wieder ein Foto machen. Das macht ihr bei jeder Blendenstufe bis ihr zur kleinsten Blende kommt. Je nach Objektiv können das 10-20 Fotos werden. Ladet die Fotos herunter und vergleicht sie. Seht ihr, was sich ändert, wenn ihr die Blende verändert?

Im 2. Schritt geht raus in die Landschaft. Macht hier die selbe Serienaufnahme, indem ihr Schritt für Schritt die Blende verstellt. Schaut euch die Reihe am PC an.

Seht ihr den Unterschied, wo ihr welche Blende am besten verwendet? Welche Blende ist für eine Tasse und welche für eine Landschaft besser geeignet? Was fällt euch noch auf?

Feedback

Zeigt mir doch einfach eure Reihen im Blog/Flickr etc.. Schreibt mir einen Kommentar und verlinkt diesen zu eurer Fotoreihe. Welchen Fragen sind dabei aufgetaucht? Wo habt ihr Probleme? Gebt mir doch bitte ein Feedback, ob meine Anleitung noch zu schwer für euch ist oder ob ich einen Aspekt vergessen habe.

Veröffentlicht von

Hallo, ich heiße Jana. Ich liebe das bloggen und die Fotografie ist meine größte Leidenschaft. Ich freue mich auf deinen Kommentar!

23 Kommentare

  1. UI … ich werde erwähnt und bin daran schuld. ;)

    aber es stimmt: manuell die kamera kontrollieren tut nicht weh und bietet viel mehr spielraum! ich bin auf deine weiteren kapitel gespannt … :)

  2. Danke, für diesen tollen Artikel. Teil 1 lässt vermuten, dass noch weitere Teile folgen. Bin gespannt was noch kommen wird.
    Ich habe zwar nur eine Bridgekamera und keine DSLR, aber ich habe auch das Problem, dass ich mich oft nicht traue alles selbst einzustellen und zur Sicherheit lieber Automatik einstelle.
    Vielleicht schreibst du auch noch etwas zu Objektiven in einem anderen Teil und ich traue mich endlich zu wechseln ;)

    • Oh, auf Objektive selber wollte ich nicht eingehen, weil ich eher praktisch veranlagt bin. Die Frage ist eher, welche Fragen hast du zu Objektiven. Dann kann ich die aufgreifen….

      • Zum Beispiel, welche brauche ich für den Anfang, wenn ich umstellen will?!?
        Muss ich dann immer alle Objektive mitschleppen wenn ich unterwegs bin oder reicht erstmal eins womit ich auch mal nah und fern einfangen kann. Das schreckt mich am meisten ab, dass ich dann immer so viel dabei haben muss ;)

        • Ich kann dir jetzt nur aus meiner Erfahrung schreiben, das ist sicherlich nicht allgemeingültig. Als ich meine D70 bekommen habe, gab es damals ein Sigma 18-50mm Objektiv dazu. Damit habe ich angefangen, aber ich hatte immer das Gefühl das meine Bilder nicht wirklich scharf sind. Im Nachhinein hat sich das bewahrheitet, weil preiswerte Zoomobjektive nicht die Qualität haben. Ich habe mich dann durch die Foren gearbeitet und mit anderen Fotografen gesprochen und habe mir dann eine 50mm 1.4 Festbrennweite zugelegt. Bis heute ist es eins meiner Lieblingsobjektive. Da ich keine Vollformatkamera habe, ist man bei 50mm Objektiven oft zu nah am Objektiv, da durch den Crop aus 50mm real ca. 80mm werden. Aus diesem Grund habe ich mir dann ein 35mm Objektiv gekauft, welches gerne als Reportageobjektiv verwendet wird, ein sozusagen „Immer drauf“ Objektiv. Viel später kam ein Makro und Weitwinkelobjektiv dazu, doch das würde an dieser Stelle für eine Empfehlung zu weit führen.

          Also wenn du mich fragst, dann fang mit einem 50er oder 35er Objektiv an, die sind in etwas kostengleich. Auch habe ich dazu mal einen Artikel geschrieben: http://www.janasworld.de/2011/07/04/35mm-versus-50mm-objektiv/

          Auch habe ich nicht immer alle Objektive dabei. Nur wenn ich im Urlaub bin. Aber wenn ich zu hause bin und ich habe Lust auf eine Fototour, dann weiß ich ungefähr, was ich fotografieren möchte u. nehme daher meistens nur 2 Objektive mit. Eins an der Kamera, das andere in der Jackentasche. Natürlich kommt es auch vor, dass ich mal das falsche mit habe und in dem Moment mein Makro oder Weitwinkel gebraucht hätte, doch damit muss man dann umgehen und mit dem vorhandenen Equipement das Beste aus der Situation machen.

  3. Das hört sich klasse an und ist auch so leicht das ich verstehen kann! Ich habe es mir direkt mal ausgedruckt, um es auch meinem Freund zeigen können. Wir zwei Anfänger sind immer froh über solche Erläuterungen!
    Ich werde auch die Hausaufgaben mal probieren. Freue mich da schon drauf :-)
    Danke dass du dir so viel Mühe gibst!!

  4. Ich fotografieren schon eine ganze Weile ausschließlich im manuellen Modus und ich finde das du es für Anfänger sehr gut erklärt hast.

    Viele Grüße
    Andreas

  5. Danke für die Anleitung! Das ist wirklich sehr gut beschrieben. Einiges war sogar noch in meinen Gehirnwindungen vergraben. Da ich der Auslöser war, muss ich mir Deine Hausaufgabe nun in den nächsten Tagen unbedingt vornehmen.
    Die Bilder für Deinen Wettbewerb habe ich nun auch zusammen. Vielleicht schaffe ich es noch heute, sie hochzuladen.

  6. Es ist wirklich nicht so schwer, manuell einzustellen. Wie du schon erwähnt hast ist es am einfachsten einzusteigen, wenn man zuerst mit der Zeitautomatik (d. h. Blende wählen, Zeit stellt die Kamera automatisch dazu ein) anfängt.

    Ich habe mir nur etwas schwer getan damit, dass eine kleine Zahl eine große Blende ist und eine große Zahl eine kleine Blende ist. Bis ich erklärt bekommen habe, dass die Zahlen die Prozent sind, die abgedeckt werden.
    Vielleicht hilft dieser Tipp anderen auch.

    Ich wünsche allen viel Spaß beim Ausprobieren.
    Gruß
    Stefanie

  7. Das liest sich wirklich sehr gut und ist eine gute Idee um neues Wissen zu erwerben oder vorhandenes aufzufrischen. Ich bin auf jeden Fall dabei.
    Lieben Gruß
    moni

  8. Hallo Jana,
    vielen Dank für Deine super verständlichen Erklärungen; ich habe meine „Hausaufgabe“ soweit gemacht und ich fand es sehr interessant und warte sehnsüchtig auf eine Weiterführung Deiner Fotoschule.
    Meine Versuche findest Du hier: http://www.isch.info/blog/
    Gruß isch

  9. Oh, nun hab ich leider noch immer keine neue Kamera… schade, hätte gern mitgemacht. (weiß einfach immer noch nicht, was ich da nun kaufen will/soll??? und hab einfach im Moment keine Zeit, mich damit mal richtig zu befassen)
    Ich werde es aber genau verfolgen, vielleicht kann ich es später dann auch umsetzten.
    Liebe Grüße, Petra

  10. Super finde ich das, nur für Fotos habe ich momentan keine Zeit, hoffe aber,dass ich hier trotzdem mitlesen darf und bestimmt schaffe ich auch mal ein Bild.

    Herzlichst ♥ Marianne

  11. Hallo Jana,

    vielen Dank für die Mühe, die Du Dir mit der Fotoschule gibst. Ich finde es klasse, dass Du die Kameraeinstellungen und ihre Auswirkungen auf die Motive in einfacher, leicht verständlicher Sprache erklärst. Das hat mich motiviert, mitzumachen und ich habe heute den ersten Teil deiner Hausaufgaben für Teil 1 bearbeitet und in meinem Picasa-Album online gestellt:
    https://picasaweb.google.com/101985614843505291260/Fotoschule_Teil1_Blende?authkey=Gv1sRgCN_0otqf3YfC5QE#
    Den 2. Teil der Hausaufgabe (Landschaft) werde ich morgen umsetzen, sofern das Wetter mitspielt.

    Viele Grüße und schöner Tag noch,
    Juliane

  12. Habe gerade deine Fotoschule-Artikel entdeckt.
    Finde den schonmal ganz toll geschrieben! Super wieviel Mühe du dir damit machst! Und ich hab die Blende endlich mal verstanden :-)

    • Dein Kommentar ist ein sehr schöner Lohn für die Arbeit und noch mehr freue ich mich, wenn du jetzt ein Stückchen weiter gekommen bist! Immer weiter üben… VG Jana

  13. Pingback: Fotoschule Teil 1: Die Blende | Dimna

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