Liisas Frage des Tages

Frage des Tages von Liisa
Okay, die Frage des Tages ist heute mal wieder etwas »tiefer«. Ich hoffe, es verschlägt Euch nicht die Sprache. ;o)
Wenn Ihr Menschen das erste Mal trefft, worauf achtet Ihr zuerst? Was nimmt Euch für einen Euch bisher fremden Menschen schnell ein, bzw. was ist Euch sympathisch? Was würde Euch bewegen, einem Menschen, den Ihr beim ersten Treffen als eher unsympathisch empfunden habt, noch eine echte weitere Chance einzuräumen? Seid Ihr noch neugierig auf »neue« Menschen oder habt Ihr Euch in Eurem Familien, Freundes- und Bekanntenkreis quasi »eingerichtet« und wollt eigentlich gar keine neuen Menschen mehr wirklich (nicht oberflächlich) kennenlernen? Trennt Ihr Euch von Menschen in Eurem Umfeld, von denen Ihr den Eindruck habt, sie tun Euch nicht wirklich gut oder haltet Ihr – vielleicht sogar wider besseres Wissen – an ihnen fest? Warum?

Liisas aktueller Sommer Favoriten Artikel hat mich erst schöne Sommerfotos gucken lassen und mich dann mitten ins Herz getroffen. Naja, das klingt ein bisschen kitschig, aber die Frage hat mich sofort berührt, sodass ich einen Artikel (mittlerweile der vierte heute) dazu verfassen muss.

Wenn Ihr Menschen das erste Mal trefft, worauf achtet Ihr zuerst?
Die meisten Menschen würden jetzt sagen, ich achte auf die Augen. Ich weiß gar nicht, was es bei mir genau ist, aber im ersten Moment achte ich auf die gesamte Körpersprache. Ich versuche heraus zu finden, ob derjenige gerne mit mir sprechen möchte, ob er offen dafür ist. Ob er sich beim reden mir zuwendet oder fahrig die Augen streifen läßt bzw. sich ständig weg dreht. Dann achte ich darauf, ob mein Gegenüber wirklich lächelt oder nur so tut. In dem Moment verraten Augen alles. Während mich Kleidung wenig interessiert (außer jemand ist ganz originell angezogen) achte ich aber witziger weise auf die Hände und auf die Schuhe.

Was nimmt Euch für einen Euch bisher fremden Menschen schnell ein, bzw. was ist Euch sympathisch?
Das ist ganz schwierig zu beschreiben. Ich habe es mal so definiert, das sind Menschen, die äußerst warmherzig, offen und liebenswert sind. Das sind Menschen, bei denen ich mich innerhalb von Minuten sofort wohl und angenommen fühle. Meistens strahlen diese Menschen eine Ruhe und Selbstzufriedenheit aus. Am liebsten möchte man sie sofort in die Arme nehmen und drücken. Sie werden meistens von ganz vielen Menschen gemocht. Leider habe ich nur ganz wenige Menschen dieses Schlages bisher kennen gelernt, doch diejenigen habe ich in mein Herz geschlossen und mag sie bis heute. Auch wenn ich nicht mehr zu allen, aufgrund der Entfernungen, Kontakt habe.

Was würde Euch bewegen, einem Menschen, den Ihr beim ersten Treffen als eher unsympathisch empfunden habt, noch eine echte weitere Chance einzuräumen?
Ja würde ich. Schon alleine weil ich ein gebranntes Kind bin und schon von ganz vielen Menschen in die falsche Schublade gesteckt wurde. Daraus zu kommen, ist äußerst schwierig, wenn nicht sogar unmöglich. Daher gebe ich anderen Menschen fast immer eine zweite Chance, denn der erste Eindruck ist nicht immer der Richtige. Ich habe sogar schon Personen kennen gelernt, die ich am Anfang überhaupt nicht ausstehen konnte und mit denen ich später befreundet war….

Seid Ihr noch neugierig auf »neue« Menschen oder habt Ihr Euch in Eurem Familien, Freundes- und Bekanntenkreis quasi »eingerichtet« und wollt eigentlich gar keine neuen Menschen mehr wirklich (nicht oberflächlich) kennenlernen?
Das war die Frage, die mich am meisten berührt hat. Als halbe Nomadin habe ich viele Menschen kennen gelernt und an vielen Orten gelebt. Die meisten Menschen habe ich die letzten Jahre aber nur ganz oberflächlich kennen gelernt. Nicht weil ich das nicht wollte, sondern weil ich mein Umfeld so wahrgenommen habe. Manchmal war ich sogar glücklich, wieder wegziehen zu können, weil ich zutiefst darüber unglücklich war, keine tieferen Kontakte erleben zu dürfen. Ich mich eher ausgeschlossen fühlte.

Ich persönlich liebe es, neue Menschen kennen zu lernen. Daher ist es für mich auch kein Problem, Blogger, die ich gar nicht kenne, einfach mal anzurufen. In meinem realen Umfeld erlebe ich das komplett anders. Ich erinnere mich an eine Zeit in Köln, da hat mir jemand gesagt, dass man sich “Freundschaften erarbeiten müsste”. Ich wollte das damals nicht glauben, doch derjenige hatte recht. Die Frage ist nur manchmal dabei, wann “erarbeitet” man sich eine Freundschaft und ab wann wird man einfach nur ausgenutzt? Die Grenzen sind sehr verschwommen.

Dann gibt es die Menschen, die definieren eine wahre und echte Freundschaft nur über die Zeit. Nachdem Motto “wir kannten uns schon im Sandkasten” und dann gibt es noch das Totschlagsargument “auch unsere Eltern waren schon befreundet”. Für jemanden für mich, der schon an vielen Orten gelebt hat, ist es schwierig, dort eine Freundschaft aufzubauen. Sie ist schon per se unmöglich.

Wenn ich in den letzten Jahren Menschen kennen gelernt habe, dann waren es Menschen, die wie ich zugezogen waren. Kontakte zu “Einheimischen” waren sehr selten, denn meistens haben diejenigen einen festen Freundes- und Familienkreis und sind an neuen Menschen wenig bis gar nicht interessiert.

Ich möchte daher den Artikel dazu nutzen, die Menschen anzusprechen, die schon tief in ihrem Freundeskreis verankert sind, dass sie auch neuen, fremden Menschen eine Chance geben sollten. Sie einfach mal mit zu einer Party mitzunehmen und anderen Menschen vorstellen. Sie in Gespräche einbeziehen und sie nicht dumm in der Ecke stehen lassen. Schon alleine aus dem Grund, das man nicht weiß, wohin es einem im Leben verschlägt und ob man dann irgendwo neu anfangen muss. Erst dann wird man merken, wie schwierig es ist, sich neue Freundschaften aufzubauen.

An meinem vor-vor-letzen Wohnort waren wir mit einer Patchworkfamilie befreundet. Ihnen gehörte ein Pub und der Partner war Engländer. Vielleicht war es diese ungewöhnliche Mischung, die uns zu Freunden werden ließen. Aber was ich an ihnen besonders mochte, war ihre Unkompliziertheit.  Schon damals, bevor wir unseren Sohn bekamen, waren wir Weihnachten alleine, weil wir unsere Familien nicht besuchen konnten. Sie machten mir damals das schönste Weihnachtsgeschenk, als sie zu mir kamen und sagten, dass wir doch Weihnachten nicht alleine bleiben müssten, wir könnten bei Ihnen mit feiern. Das haben wir auch getan und es war eins der schönsten Weihnachtsfeste, die ich je erlebt habe.

Und ich frage mal in die Runde: Wer würde Heiligabend einfach sagen: kommt mit dazu, feiert bei uns mit?

Trennt Ihr Euch von Menschen in Eurem Umfeld, von denen Ihr den Eindruck habt, sie tun Euch nicht wirklich gut oder haltet Ihr – vielleicht sogar wider besseres Wissen – an ihnen fest?
Ja, ich habe lernen müssen, mich von Menschen zu trennen, die mir nichts Gutes wollen und die mir nicht gut tun.  Auch wenn das oft sehr weh tut und ein sehr schmerzhafter Prozeß ist, aber manchmal geht es nicht anders. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Leben mit den falschen Menschen….

 

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Autor: Jana

Hallo, ich heiße Jana. Ich liebe das bloggen und die Fotografie ist meine größte Leidenschaft. Ich freue mich auf deinen Kommentar!

4 Kommentare

  1. Ich schlucke ein bisschen bei der klassischen Antwort, dass beim erste Treffen eines fremden Menschen auf die Augen geachtet wird. Und daraus leitet man(n)/frau dann Schlüsse ab.
    Das Trauma meines Lebens, denn ich bin Heidi. Das berühmte Opossum aus dem Leipziger Zoo. Naja, nicht wirklich, aber uns einen so gewissen Eigenschaften.
    Und Du ahnst nicht (oder doch), in wie viele Schubladen ist wegen dieser Äußerlichkeit schon spontan und ohne Mühe gesteckt wurde. Völlig uninteressant, wie viele operative Korrekturversuch es bereist gab. Die erste Pauschalverurteilung wird ohne Worte gefällt…

  2. Bei mir kommt es bei Fremden wirklich auf mein Bauchgefühl an und ich habe mich bisher noch nie getäuscht. Obwohl ich manches Mal dachte, ich muss mich irren, hatte ich letztendlich mit meiner ersten Einschätzung recht. Natürlich mögen wir alle offene, herzliche Menschen, aber viele sind eben auch nur gute Schauspieler und der Gesamteindruck, den man als erstes von einem Menschen gewinnt, wie er auf einen wirkt, der zählt. Ich mag unkomplizierte, natürliche Menschen, die auch mich nicht vorschnell ab/beurteilen, denn ich weiß, dass ich sehr oft falsch eingeschätzt werde. Ich bin – wie Du – viel herumgekommen und war nie wirklich irgendwo daheim, ich war immer die Neue/Fremde, da gewöhnt man sich eine Zurückhaltung an, die die eigene Art nicht sofort sichtbar werden läßt.
    Was die Frage des Mitfeierns/Einladung zu Weihnachten betrifft, ist das für mich eine Selbstverständlichkeit und habe ich auch schon gemacht.
    Und den Umgang mit Menschen, die ich nicht mag, pflege ich nicht. Manchmal muss man sich arrangieren, aber man kann das Verhältnis auf ein Minimum beschränken.
    Viele Fragen, viele Antworten….man denkt automatisch ein wenig intensiver über sich selbst nach! :)
    Lieben Gruß – moni

  3. Hui Jana! Da hab ich ja anscheinend wirklich ein Thema angesprochen, das Dich sehr bewegt. Ich finde sehr interessant, was Du zu den einzelnen Fragen geschrieben hast.

    Was Du zu Frage drei geschrieben hast, kann ich sehr gut verstehen. Mir wird z.B. von denen, die mich näher kennen, Freundlichkeit und Aufmerksamkeit gegenüber anderen Menschen nachgesagt. Unglückseligerweise bin ich aber mit einem Gesicht geboren, dass im “Normalzustand” nicht gerade sehr freundlich aussieht. Daran haben auch einige Jahrzehnte (leider) nichts geändert.

    Um ein Gesicht zu zeigen, das andere als “freundlich” und “offen” empfinden, muss ich mich bewußt anstrengen. Steh ich einfach nur so (und freundlich und offen gestimmt) da, wirkt mein Gesicht eher ernst und distanziert und wenn ich gestresst sein sollte sogar etwas “finster” (selbst wenn ich trotz eigenem “gestresst sein” anderen gegenüber immer noch freundlich und offen gesinnt bin). Wer mich also im “Normalzustand” sieht, wird wenn er wirklich nach dem ersten Blick/Eindruck geht, eher einen Bogen um mich machen. Darunter habe ich oft schon gelitten und diejenigen, die von Natur aus schon mit einem freundlich wirkenden Gesicht geboren sind, beneidet. So lande ich glaube ich bei vielen auch erstmal in einer falschen Schublade und wie Du habe ich die Erfahrung gemacht, dass leider viele die Schublade dann eben nicht nochmal aufmachen und nochmal schauen, ob ich da richtig einsortiert bin.

    Sehr interessant fand ich auch, was Du zu Frage vier geantwortet hast. Immer mehr Menschen werden ja heute – gerade auch durch die berufliche Situation – zu solchen “Nomaden” und dann heißt es tatsächlich jedesmal wieder neu Beziehungen und mit etwas Glück auch neue Freundschaften aufzubauen. Ich habe festgestellt, dass mir das – je älter ich werde – schwerer fällt. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich Single bin. Der Kontakt zu Paaren oder Familien ist dadurch häufig sehr schwer zu bekommen und zu halten. Mit anderen Singles ist das etwas anderes aber auch nicht immer so unkompliziert, wie viele (die nicht Singles sind) sich das vorstellen. Wer eine Familie und Kinder hat, hat da häufig schon viel mehr Möglichkeiten mit neuen Menschen in Berührung zu kommen, sei es durch Kindergarten, Schule, Vereine, etc. Ich habe sogar schon den Rat für Singles gehört “Schaff Dir halt einen Hund an, da lernt man dann auch dauernd neue Leute kennen”. Naja …

    Jedenfalls hab ich mich sehr über deinen ausführlichen Beitrag zum Thema gefreut! :)

  4. Oha,
    ein sehr persönliches und auch sehr interessantes Thema!

    Ich muss mich in der Gegenwart eines Menschen spontan wohl fühlen. Dabei kommt es darauf an, dass der Mensch gutartig ist und über eine gewisse Grundintelligenz verfügt. Auch eine ähnliche Lebenshistorie und ähnliche Interessen sind dabei von Vorteil. Das Aussehen spielt keine so große Rolle, wohl aber die Stimme. Hat jemand eine Stimme wie eine Kreissäge und noch dazu einen schwäbischen Akzent, kann ich Probleme bekommen.

    Es spielt keine Rolle, wie ich jemanden kennenlerne. Beispielsweise bekam ich von jemandem beim ersten Kennenlernen mal einen üblen “Fön” und jeder andere wäre beleidigt und verschreckt gewesen. Ich ließ mich jedoch nicht beirren, da ich den gutmütigen Kern der Person trotz des heftigen verbalen Angriffes gleich erkannt habe. Ich antwortete freundlich und sachlich. Heute kommen wir prächtig miteinander aus.

    Ein potenzieller Freund muss – und das ist ganz wichtig – geistig und emotional unabhängig sein und darf mich nicht unter Druck setzen. Ich muss meine Freunde nicht täglich (und auch nicht wöchentlich) kontaktieren, um mich der Freundschaft zu versichern. Natürlich bin ich auch gerne täglich für meine Freunde da, wenn es mal notwendig ist und das kam auch schon vor. Es muss aber ein gewisses Gleichgewicht vorhanden sein.

    Manchmal kann ich mich nicht auf neue Leute einlassen, weil mir schlicht die Zeit fehlt. Ich möchte meinen Freunden gerecht werden können, ohne dass es in Terminstress ausartet. Daher muss ich mir manche Leute auf Distanz halten, die ich eigentlich sehr sympathisch finde. Im Idealfall versteht das der “Abgewiesene”, ist nicht sauer und ist dann ein “Freund der Reserve”. Klingt blöd, kann aber bestens funktionieren. Einen guten Freund habe ich neulich nach zehn (!) Jahren mal wieder gesehen und zwischen uns ist alles klar.

    Ich habe mich auch schon von Leuten getrennt, weil sie mir nicht guttaten. Teilweise schlägt sich das bei mir sogar in körperlichen Beschwerden nieder. Bekomme ich regelmäßig Kopfschmerzen, wenn ich mit einer bestimmten Person zu tun habe, muss ich mir Gedanken machen.

    Menschen tun mir dann nicht gut, wenn sie eine indiskutable Einstellung zur Arbeit haben. Oder wenn sie mich pausenlos zutexten, ohne auch mal zuzuhören. Oder wenn sie schlechte Gedanken haben und diese auch umsetzen wollen. Oder wenn sie mich zu Dummheiten verleiten wollen.

    So ist das bei mir.

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