oder warum es immer schwieriger wird im Internet über den eigenen Tellerrand zu schauen.
Vor ein paar Tagen habe ich eine sehr kurze, aber interessante Reportage zum Thema “semantisches Suchen im Internet” gesehen. Leider kann ich diese Uni-Studie nicht wiederfinden und auch die Reportage (es muss ZDF Neo oder ZDF Info gewesen sein) ist nicht wiederzufinden. In der Studie ging es darum, dass das semantische Suchen kritisch betrachtet wurde. Google verdient sich seit Jahren dumm und dämlich damit und von den sogenannten IT-Experten wird diese Erfindung kritiklos gefeiert.
Augenscheinlich ist auch nichts Verkehrtes daran zu finden. Ein gutes Beispiel: ich suche bei Amazon ein Buch über Heidi. Das Buch wird gefunden, ebenso dazugehörige DVDs, Musik-CDs, andere Bücher und Merchandising Artikel. Wäre ich ein absoluter Heidi Fan, dann würde ich bei dieser Masse an vorgeschlagenen Artikeln sicherlich Schnappatmung bekommen. Doch bei mir bewirkt es genau das Gegenteil. Denn jedes mal wenn ich auf die Amazon-Seite gehe, wird mir immer und überall Heidi angezeigt, nur weil ich es einmal gewagt habe, danach zu suchen. Wenn ich Glück habe gesellen sich die Freunde von Heidi dazu, doch mehr bekomme ich nicht zu sehen. Mir werden keine anderen Vorschläge unterbreitet und aus dem Teufelskreis komme ich nur wieder heraus, wenn ich Chronik, Cookies und andere Spione aus meinem Browser restlos entferne.
Das selbe geschieht bei Google. Ich stelle immer mehr fest, dass es immer schwieriger wird zu suchen. Waren es noch vor ein paar Jahren die ebay Seiten, die zu jedem Thema der Welt angeblich passten, sind es heute andere “hirnlose” Archive, die angeblich Inhalte zu meinem gesuchten Themen anbieten. Google selber schreibt zu der Problematik:
Manchmal führt Google eine Anpassung Ihrer Suchergebnisse auf der Grundlage Ihrer letzten Suchaktivitäten bei Google durch. Zu dieser Anpassung gehören sowohl Suchanfragen, die Sie gestartet haben, als auch Ergebnisse, auf die Sie geklickt haben. Da die personalisierte Suche zwischen an- und abgemeldeten Nutzern unterscheidet, müssen Sie zur Deaktivierung der Personalisierung des Suchverlaufs jeweils unterschiedlich vorgehen. [...]
Um so mehr ich mich damit beschäftige, um so mehr wird die Kritik fassbar und ängstigt mich gleichzeitig. Die Grundkritik der Studenten besagte in der Reportage, dass es immer schwieriger wird, über den eigenen Tellerrand heraus zuschauen. Das man aufgrund ähnlicher Inhalte und Suchbegriffe nicht über sein eigenes geschaffenes Universum herauskommt und wie in einem Spinnennetz gefangen ist. Das selbe Phänomen ist auch im social web zu erkennen. Habt ihr schon einmal die neue Funktion “wem folgen” bei Twitter ausprobiert? Mir wurde kein interessanter thematisch ähnlicher Twettie empfohlen, stattdessen wurden mir die Alphatiere der deutschen Blogosphäre vorgeschlagen. Da hätte ich ja gleich nach den Ottos, Quelle und Neckermanns dieser Welt suchen können.
Doch wie kann man das semantische Suchen umgehen, wie kommt man aus der Falle wieder heraus? Wie kann aus dem Fluch wieder einen Segen werden? Was ist aus dem freiheitsliebenden Anspruch des Internets geworden? Ich befürchte, George Orwells Fiktion ist manchmal schon mehr Realität, als ich wahrhaben möchte.

Ein paar ganz einfache Tricks helfen: keine Links anklicken.
* Rechtsklick -> Link adresse kopieren, einen anderen Browser verwenden (gibt ja genug ;-) ) und den kopierten Link einfügen…
* auf google und Co verzichten (damit meine ich Reader, etc.) Google ist zum Suchen da und sonst nix.
Damit verwirrst Du jeden Algorithmus.
Ein Proxy unterstützt das ganze natürlich noch – aber das muß man ja nicht mehr extra erwähnen, oder? ;-)
Ist zwar lästig, aber der Trend geht ja eh zum Zweitcomputer. Auf diesem wird mir wahllos alles an Werbung angezeigt, was ich mit Sicherheit nie kaufen werde: von High-Heels über Sahara-Urlaube bis hin zu Segelyachten.
Irgendwie funzt das also (auf dem Erstrechner ist es zielgerichteter… – die Werbung ist also auch eine gute “Kontrolle”).
Das Bewerten aller Suchergebnisse muss man schon selber machen, und auch den Umgang damit organisieren. Google ist eben eine Maschine. Nichts anderes. Und als solche nutze ich sie.
Liebe Grüße aus dem Spinnstübchen
Drum hab ich meinen Firefox so eingestellt, dass er bei jedem Schließen alles komplett löscht: Chronik/Verlauf, Cookies, auch in den config-Einstellungen hab ich die Geolokalisierung deaktiviert
Klingt nach einer sehr interessanten Reportage. Und finde es genauso erschreckend und zum Nachdenken anregend….
Fakt 1: wir alle leben bereits “Orwell” die ganzen Google und Apple Nutzer können es nicht mehr von der Hand weisen
Fakt 2: ja der Tellerrand ist verdammt hoch geworden, aber es gibt Alternativen! Benutze nicht unbedingt Google als Suche und wie Vorgänger schon schrieben. Browsercache/history/cookies regelmäßig löschen.
Ich selbst benutze kaum noch Suchmaschinen um wirklich wichtige Dinge zu finden. Die meisten und besten Ergebnisse erziele ich mittlerweile im “Social Media” Bereich. Meine Twitter Follower und denen ich folge liefern mir zuverlässig meist all das was ich brauche. Alles was dann noch übrig bleibt muss dann die Suchmaschine finden.
Öfter mal den “private” oder “inkognito” Modus des Browsers nutzen und vor allem Lokalisierung wirklich ausschalten und nicht nur drüber nachdenken oder reden.
Das Ende der Suchmaschinen naht wenn sich nicht jemand was wirklich gutes Neues ausdenkt. Denke da so in Richtung WolframAlpha.