Traumberuf Kinderbuch-Illustratorin

Buchtipp, Interview, Traumberuf

AH-Stadt

Anke Hartmanns Illustrationen und Kinderbuch habe ich vor ein paar Wochen in der Leipziger Internet Zeitung entdeckt und war von ihren Arbeiten sofort begeistert. Über Facebook schrieb ich sie an, ob Sie nicht Lust hätte, mit mir ein kleines Interview zu führen. Sie sagte spontan zu. Hier nun mein 3. Interview zu dem Thema:

Traumberuf Kinderbuch-Illustratorin

Jana: In der Leipziger Internet Zeitung habe ich eine sehr schöne Rezension deines KinderbuchesZu den Sternen“ gelesen. Neben der Geschichte hat mich am meisten interessiert, dass du das Buch nicht nur zum Druck gegeben, sondern das du es selbst geschrieben, illustriert, gebastelt, geklebt und gefalzt hast. Wie bist du auf die Idee gekommen, das Buch so zu gestalten und wie schaffst du es, dass mehrere Exemplare gleich aussehen oder auch nicht?
Anke: Hi Jana, schön das du durch die Rezension auf mich aufmerksam geworden bist, ohne einen größeren Verlag ist es natürlich schwieriger dass ein Buch überhaupt wahrgenommen wird. Darum auch Danke für dieses Interview!
Da ich ein recht junges „1-Frau-Unternehmen“ bin, versuche ich vor allem aus Kostengründen so viel wie möglich selber zu machen. Ich habe vor „Zu den Sternen“ bereits mehrere kleine Ausmalhefte selber verlegt. Dort war der Produktionsaufwand jedoch weniger groß. Das Illustrieren ist ja nun mein eigentliches Handwerk, ich bin allerdings auch gelernte Grafik Designerin und kann somit problemlos layouten und Druckvorstufen anfertigen. Den Text des Buches zu schreiben war jedoch ein Wagnis, da ich in dieser Richtung relativ Erfahrungsfrei bin.
Seit ca. 1 Jahr arbeite ich mit einer niederländischen Druckerei zusammen, die ich sowohl vom Preis als auch von der Qualität ihrer Arbeit nur wärmstens empfehlen kann. Nachdem ich die Drucke zu hause hatte ging es los mit schneiden und falzen. Für die Bindung der Seiten (24) nehme ich Buchbindergewebeband, die Buchdeckel werden aus Cover, Pappe und einem Innenteil zusammengebastelt und ebenfalls durch Buchbindergewebeband mit den Innenseiten verbunden. Um nun die Frage nach dem Aussehen zu beantworten. Die Bücher sehen nicht industriegefertigt aus, haben hier und da winzige Unterschiede. Jedoch gibt es glücklicherweise eine Menge Menschen, die Selbst gemachtes zu schätzen wissen, und eben diese Unebenheiten als Qualitätsmerkmal sehen, da alles mit Herzblut und Handarbeit gefertigt wurde und eben nicht maschinell.

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Jana: Wer oder was hat dich zu dem Kinderbuch inspiriert? Hast du für meine Leser eine kurze Leseprobe mit Illustration? Du schreibst, das du bisher wenig Erfahrung mit dem schreiben hattest. Hattest du eine redaktionelle Unterstützung bei der Manuskriptarbeit und gibt es Dinge die du bei einem neuen Kinderbuch anders angehen würdest?

Anke: Die Idee für das Buch kam mir quasi über Nacht, jedoch bin ich schon seit meiner Kindheit sehr interessiert an Weltraumforschung und Science Fiction. Zudem finde ich, das uns der Weltraum die schönsten optischen Eindrücke überhaupt zu bieten hat und bei der Betrachtung stellarer Phänomene wird mir immer wieder klar, dass es so viel mehr im Universum gibt als unser tägliches Leben uns zeigen kann. Das Weltall in seiner Unendlichkeit setze ich gleich mit unerschöpflicher Fantasie. Fantasie, die ich versucht habe in das Buch „Zu den Sternen“ mit einfließen zu lassen.

Leseprobe:

„Die Geschichte, um die es in diesem Buch geht, spielt auf einem sehr weit entfernten Planeten. Wo genau er liegt, kann ich Dir leider nicht sagen. Aber da es so unvorstellbar viele Planeten im Universum gibt, muss es diesen auf jeden Fall geben! Er ist etwas kleiner als unsere Erde und wird von seinen Bewohnern Usull genannt. Inmitten eines rosaroten Weltraumnebels umkreist er eine riesenhafte gelbe Sonne, welche nicht nur als kleine Kugel, sondern als gigantischer Ball am Himmel steht.

Auf Usull sieht es natürlich ganz und gar nicht so aus wie bei uns. Statt Bäumen gibt es dort pilzartige Gewächse mit watteähnlichen Kronen. Steinharte, lilafarbene Gräser mit purpurnen Dolden stehen am Wegesrand und viele Wege sind eigentlich samtweiche, meterbreite Blüten auf denen man zu seinem Ziel hopsen kann. In der Luft hört man ein aufgeregtes Flüstern, das von vielen kleinen sechsflügeligen, insektenartigen Tierchen kommt.“

Das Kinderbuch „Zu den Sternen“ ist erhältlich bei Dawanda

Den Text habe ich zwar alleine geschrieben, er wurde allerdings noch zweimal mit wenigen Änderungen lektoriert. Für das/die nächsten Bücher habe ich schon einige Ideen, wahrscheinlich konzentriere ich mich jedoch erst einmal auf weniger aufwendige Bücher, die ich ohne Hardcover herausbringen kann.
Langfristig möchte ich gerne ein Buch über das Leben des mikroskopisch kleinen Bärtierchens  machen, dafür habe ich auch schon eine Bildvorlage die mir gut gefällt.

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Jana: ich habe versucht ein paar Informationen [hier, hier und hier]  über dich zu lesen. In deinem Facebook Account habe ich zwar einige Verlinkungen gefunden, doch es gibt keine Website oder einen Blog, der von dir geführt wird. Gibt es Gründe dafür?
Anke: *lacht* Ja allem voran mein Traum von dem perfekten Webauftritt in Form einer Homepage die vollkommen zu meiner Arbeit passt. Ich habe bis jetzt einfach noch nicht die Zeit gefunden eine Homepage zu erstellen, die mir über einen längeren Zeitraum zusagt, und die wirklich vorzeigbar ist, es steht aber noch an eine zu erstellen.

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Jana: Ja, das mit der Perfektion ist so eine Sache. Ich bin in einigen Dingen auch perfektionistisch oder besser gesagt, ein „Pixelpedant“. Bist du sehr perfektionistisch und wenn ja, wie äußert sich das bei dir?
Ich habe gelesen, das du zusätzlich im Fernstudium Psychologie studierst. Warum machst du das bzw. was möchtest du anschließend damit machen?
Anke: Nein, perfektionistisch bin ich definitiv nicht, da kenne ich andere auf die das zutrifft. Ich mag jedoch keine unfertigen Sachen, darum tue ich mich auch z.B. mit Skizzen recht schwer.
Momentan studiere ich noch Psychologie, da ich dachte, ich sollte noch eine andere Fähigkeit meiner Person fördern, außer der gestalterischen. Ich wechsle jedoch gerade den Studiengang zu Kunstpädagogik, da das eher meinem Können und Streben entspricht und eine gute Verbindung von Sozialen und Kreativen Kompetenzen mit sich bringt.
Langfristig weiß man ja nie wo es einen so hin verschlägt. Gerade arbeite ich gerne an Kinderbüchern, organisiere einen Malwettbewerb für Kinder und genieße die Zeit mit meiner kleinen Tochter intensiv. Ob ich in 5 oder 10 Jahren noch das gleiche machen möchte kann ich beim besten Willen nicht sagen.

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Jana: Grafiker und Illustratoren sind in der Mehrzahl freiberuflich so wie du tätig. Wie schwer ist es für dich gewesen, nach deinem Studium freiberuflich Fuß zu fassen? Welchen Tipp würdest du heute angehenden Kunst- und Designstudenten mit dem auf dem Weg geben?
Anke: Nun ja das ist ja ein sehr komplexes Thema, ganz allgemein gesehen sollte man schon vor einem Studium oder einer Ausbildung wissen wie man arbeiten möchte und in welchem Sektor. Das was an vielen Hochschulen als „gute Kunst“ gelehrt wird, ist meiner Erfahrung nach selten mit dem Geschmack der späteren Kundschaft vereinbar. Zudem hat man im Berufsleben auch nicht mehr die Zeit ewig an einem Projekt herumzubasteln wie im Studium. Darum sollte man während der Ausbildungszeit am besten schon einen kleinen Berufseinstieg machen, sonst fällt man sehr wahrscheinlich nach dem Studium erst mal ins kalte Wasser und muss sich dann mit viel druck neu orientieren.
Ich befinde mich ja immer noch in einer Phase des „Fußfassens“ und versuche mich so oft wie möglich neu zu erfinden und Richtungen aus zu probieren. So reicht mein derzeitiges Arbeitsfeld, vom fertigen kleiner Kunsthandwerksprodukte, über Werbung, Vertrieb, Illustration, Auftragsarbeiten, Covergestaltung, auf Märkte gehen bis hin zu Ausstellungs- und Veranstaltungsmanagement.
Der kleinste Teil der Arbeit ist ja tatsächlich der kreative Prozess und das Anfertigen von z.B. Illustrationen. Viel wichtiger und Zeit intensiver ist da natürlich die Werbung für die eigene Arbeit und das ganze Drumherum. Selbstvermarktung ist leider auch etwas was im Studium kaum vermittelt wird.

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Jana: In deinem Facebook Account habe ich gesehen, dass du ebenso wie ich die Seite „Bedingungsloses Grundeinkommen“ zu deinen Interessen hinzugefügt hast. Ich persönlich kann mich sehr mit dieser Idee anfreunden. Wenn du dir vorstellst, das dein Grundeinkommen gesichert wäre, was würdest du am liebsten tun? Was würdest du beruflich anders machen?
Anke: Meine derzeitige Arbeit ist genau das, was ich im Moment auch tun möchte. Ich fühle mich ganz und gar erfüllt und spüre jeden Tag, wie ich besser werde und weiter vorankomme. Darum würde ich auf jeden Fall dasselbe machen, was ich gerade tue. Mit einem gesicherten Grundeinkommen könnte ich mir z.B. bessere Arbeitsmaterialien besorgen. Ich würde auch sofort eine kleine bezahlte Praktikumsstelle ausschreiben, da es sehr viel weniger riskant wäre, auch etwas in mein Unternehmen zu investieren, wenn ich weiß – mein Grundbedarf und der meiner Familie ist gedeckt.

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Liebe Anke, vielen Dank für das Interview und das du mir und meinen Lesern einen kleinen Einblick in die Arbeit als Illustratorin und Kinderbuchautorin gewährt hast.

Anke Hartmann, Illustratorin und Grafik Designerin aus Leipzig, geboren 1986
Weitere Infos zu Anke Hartmann findest du unter Facebook facebook.com/anke.hartmann.illustration.
Ihre Illustrationen, Bücher und Ausmalhefte erhältst du bei Dawanda dawanda.com/shop/NDT

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Hallo, ich heiße Jana. Ich liebe das bloggen und die Fotografie ist meine größte Leidenschaft. Ich freue mich auf deinen Kommentar!

4 Kommentare

  1. Hallo,
    ein interessantes Interview. Zu Facebook konnte ich mich noch nicht entschließen, da ja Dein Name puplic wird. Das paßt mir nicht. Doch das Grundeinkommen fände ich auch gut, da können viel mehr Menschen entdecken, daß sie kreativ sind. Wenn ich lese, was sie alles macht, um ihr Buch zu erstellen, kann ich nur sagen: alle Achtung.
    Danke Dir und ihr viel Erfolg
    schönes Wochenende
    margit

  2. Hallo
    ich habe mit Interesse das Interview gelesen und muss wieder einmal sagen: Respekt Jana, deine Art und Weise ein Interview zu führen gefällt mir absolut. Ich habe ja meins in Verwandtschaft, Freundeskreis bekannt gegeben und jeder, aber auch wirklich jeder fand das Interview klasse.
    Noch einmal Danke und allen ein schönes Wochenende.
    Hanne

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