unscharfes Datengrab

Eine bessere Überschrift ist mir nicht in den Sinn gekommen, beschreibt es doch treffend mein Problem. Seit genau einem Jahr fotografiere ich mit meiner 50er Festbrennweite und mit meinem 60er Macro. Zwei ganz tolle Linsen, die ich nicht mehr missen möchte. Alle Fotos werden auch im RAW aufgenommen, sodass meiner Bildbearbeitung keine Grenzen gesetzt wird.

Meine Lieblingsmotive sind Kinder, Pflanzen, Tiere und Landschaften. Hier hat man immer mit Bewegungsunschärfen zu kämpfen, sodass ich häufig mit der Funktion Serienbild arbeite, mit der Hoffnung, dass ein Bild scharf wird. So dupliziert sich schon die Anzahl der Aufnahmen.

Hinzu kommt, das ich überwiegend manuell mit einer großen Blende fotografiere. Am liebsten mit 2.8. So kommt es, dass ich vor meinem Motiv sitze und minitiös am Objektiv die Schärfe einstelle. Dabei habe ich Probleme. Denn zum einen muss ich mit meiner Brille durch den Sucher gucken und sehe überhaupt nicht, ob der Schärfepunkt überhaupt dort liegt, wo ich ihn haben will. Also mache ich von einem Objekt mindestens 10 Fotos mit minimalen Änderungen, mit der Hoffnung, das bei einem Bild die Schärfe genau dort ist, wo ich sie haben will. Jetzt frage ich mich, habe ich nur als Brillenträgerin das Problem oder ist es ein allgemeines Problem?

Leider sehe ich auch in meinem großen Display nicht, ob das Bild wirklich scharf ist, selbst wenn ich auf die höchste Stufe zoome. Wie oft dachte ich schon: Perfekt. Komme nach Hause an meinem großen Bildschirm und sehe, das dem gar nicht so ist. Das hat mich schon des öfteren total geärgert.

Bei Kinderportraits sind es ja immer die Augen, die Probleme bereiten. Dabei habe ich jetzt schon auf den Fototipp zurück gegriffen, sich während der Serienbildaufnahme sich leicht nach vorne und zurück zu bewegen, sodass die Kamera auf die Augen scharf stellt (hier fotografiere ich meistens nicht manuell, da Kinder zu schnell sind, um die Schärfe per Hand einzustellen).

Ich hatte gerade ein sehr schönes Telefongespräch mit Magrat. Hier haben wir die Problematik diskutiert und sie hat mich zu diesem Artikel animiert. Im Telefonat fragte sie, wie hat man das früher analog gemacht. Man konnte ja schlecht einen 36er Film mit 3 Motiven zukleistern, um ein ordentliches, scharfes Foto zu haben. Da ich leider damals noch keine Kinder und keine Makros fotografiert habe, habe ich auch keine Erfahrungen dazu.

Also mache ich von einem Motiv mindestens 20 oder mehr Aufnahmen und sitze dann später völlig geplättet vor meinem PC und sehe nicht mehr, welches wirklich scharf ist bzw. welches mir am besten gefällt. Meine Datenbank, gefüllt mit tausenden RAW Daten, ist in einem Jahr ums dreifach- bis vierfache gewachsen, seitdem ich diese beiden neuen Objektive habe. Doch ich weiß nicht, wie ich diese Datenflut bearbeiten soll. Ich habe soviele Aufnahmen im letzten Jahr gemacht, wo ich immer dachte, oh da blogst du drüber und ich habe es nicht getan. So liegen sie ungenutzt und in 1000 Varianten in Ordnern und füllen mein Datengrab.

Hilfe scheint so lange nicht in Sicht, bis ein Problem für die Schärfe gefunden habe und so die Aufnahmen reduzieren kann. Oder ich bin disziplinierter beim sortieren und lösche mindestens 3/4 der Aufnahmen. Doch spätestens nach zwei Ordnern bin ich frustriert und gebe auf. Eine verzwickte Situation.

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Autor: Jana

Hallo, ich heiße Jana. Ich liebe das bloggen und die Fotografie ist meine größte Leidenschaft. Ich freue mich auf deinen Kommentar!

19 Kommentare

  1. Also, Punkt 1 ist mann muss sich im digitalen Zeitalter auch trennen können, was unscharf ist kommt weg.

    Punkt 2, man war vor der digitalen Fotografie deutlich geiziger mit den Aufnahmen.

    Punkt 3 das digitale Foto ist durch die Möglichkeit es bis ins unendliche zu vergrößern deutlich anfälliger für den kritischen Blick geworden.
    Betrachte deine Fotos in der für das Foto üblichen größe und sei nicht zu kritisch, du willst bestimmt keine Wandtapeten daraus machen, oder?
    Ich werfe ca. 60% meiner digitalen Fotos weg.

  2. Ich kann mich dem Kommentar von Nordlicht nur anschließen.
    Zu Zeiten der Analog-Fotografie hat man machen Unschärfe gar nicht wahrgenommen, da die Abzüge meist nicht größer als 10×15 waren.
    Ich bin auch sehr rigeros beim Löschen. Wenn ich die Bilder auf den Laptop lade, behalte ich bei vielen Motiven nur eine Aufnahme, bei einigen wenigen vielleicht mal drei oder vier. Aber das ist schon die absolute Obergrenze.
    Es schluckt ja auch Speicherplatz.
    Bei der Gelegenheit habe ich mal eine Frage:
    Wo archivierst Du Deine Bilder?

    • Ich benutze keine Archivierungssoftware im üblichen Sinn. ich habe eine Ablage in auf meiner Festplatte nach Datum und rufe die Fotos über Adobe Bridge auf.
      Speicherplatz ist nur ein kleineres Problem, da ich im Schnitt alle 2 Jahre eine neue Festplatte habe.
      Ich habe eher ein Problem mit den löschen, weil ich mich nicht entscheiden kann, welche Aufnahme besser ist.

  3. Nachtrag: in meinem Facebook Profil diskutieren wir gerade die Vergrösserungsaufsätze. Für meine Nikon wäre es das DK-21M. Doch leider behebt es das Problem nicht, das man da besser sieht und es ist für Brillenträger nicht so gut geeignet. Schade, ich hätte gedacht, das so ein Aufsatz meine Probleme lösen könnte.

  4. Sag mal, gibt es an deiner Kamera keine Dioptrien-Einstellung? ganz oben am Sucher das kleine Rädchen? Oder reicht das nicht?

    Ich finde es übrigens manchmal gar nicht so schlimm, wenn Bilder nicht so scharf sind, speziell Bewegunsunschärfe bringt eine ganze Menge Dynamik ins Bild. Zwei oder drei Lieblingsbilder von meinem Kleinen sind extrem unscharf oder verwischt, doch haben die irgendetwas, das den sehr perfekten Aufnahmen abgeht. Ich finde ohnehin, daß wir alle manchmal zu perfektionistisch sind, nicht immer sind technisch perfekte Bilder auch die besten Bilder.

    Das Problem mit dem Löschen kenne ich auch, scheint allerdings typbedingt zu sein: ich kann auch sonst nichts wegwerfen ;-) Eine Lösung dafür habe ich jetzt aber auch nicht. Meine Festplatte ist ebenfalls überfüllt mit Kinderbildern.

    • Witzig, das mit dem Dioptrienrädchen haben wir gerade in FB diskutiert. Ich habe es noch nicht probiert, bzw. wusste noch nicht einmal das es das gibt. Doch wenn ich die Foren lese, glaube ich nicht, das es mir helfen wird, denn ich sehe ja die Beschriftung etc. alles scharf. Was ich nicht sehe ist, wo der Schärfepunkt bei großen Blenden liegt. Liegt er auf dem Flügel des Marienkäfers oder auf den Augen? Das sind oft so minimale Änderungen das ich 10 Fotos brauche, bis ich genau das Auge des Marienkäfers scharf bekomme. Weißt du was ich meine?

      • Oh, das Problem kenne ich, daher habe ich die Punktmessung eingestellt – ich fotografiere meist manuell, da mir die automatischen Einstellungen nicht passen. Wenn ich genug Zeit habe, dann ist die Schärfe auch genau da, wo ich sie haben will. Aber gerade bei so kleinen Dingen gelingt das auch nicht immer.

  5. Hi Jana,
    ich bezweifel, dass du das Problem in den Griff kriegen wirst. Es ist und bleibt gerade bei großen Blenden ein unheimlich kleiner Schärfebereich, teilweise nur wenige Millimeter oder Zentimeter (je nach Abstand vom Motiv). Da muss man nur eine ganz kleine Bewegung machen – oder dein kleiner Zwerg und schon ist er raus aus dem Fokus. Da hilft nur eine kleinere Blende…

    Ich kämpfe auch mit diesem Effekt. Und ich habe auch dieses ärtzende Problem, dass ich a) zu viele Bilder mache und mich b) dann nicht entscheiden kann, was ich löschen soll. Einfach fürchterlich. Man könnte es ja doch nochmal iiiiirgendwann für irgendwas gebrauchen *seufz*.

  6. Liebe Jana,
    ich befürchte, ich kann dir nicht helfen…, aber es beruhigt mich, dass du das gleiche Problem hast, wie ich… :-)
    Ich mache immer auch gleich zwanzig Aufnahmen von einem Motiv und auf der Kamera sehen auch einige scharf aus. Wenn ich sie mir dann zu Hause auf dem Compi angucke, bin ich meistens enttäuscht und lösche ziemlich viele (das mit dem Löschen kriege ich glaube ich ganz gut hin…) Das mit der großen Blende (2,8) ist natürlich ein Problem, weil dann der Schärfebereich sehr klein ist und ich benutze auch meistens kein Stativ, was das Ganze natürlich noch erschwert…
    Aber ab und zu kommt dann trotzdem eine gute Aufnahme zustande…
    Dir weiterhin viel Erfolg und auch Mut zum Löschen…;-),
    LG Joos
    P.S. Ich gehe oft nach ein paar Wochen meine Bilder durch und mit dem entsprechenden zeitlichen Abstand und dadurch einem klarerem Gefühl, welche Bilder ich noch brauchen könnte, klappt das mit dem Löschen dann ganz gut…

    • da hast du recht, mit einem zeitlichen Abstand ist der Blick kritischer und das löschen fällt leichter. Man müsste sich nur zu dieser undankbaren Aufgabe aufraffen, denn an einigen Fotos hängt trotzdem Herzblut, auch wenn sie nichts geworden sind.

  7. Hallo Jana,
    sofort löschen, löschen, löschen.
    Wenn bei der ersten Durchsicht sofort alles gelöscht wird, das nicht hasenrein ist, bleiben am Schluss nur einige gute Bilder übrig. Das Problem ist auch, wenn Du in 2 Jahren irgend ein Bild suchst, findest Du nichts mehr im Jungle der 100000 Bilder.
    Wenn man die Bilder gleich einpflegt, lernt man automatisch weniger (und bessere) Bilder zu fotografieren.

  8. Naja wenn die Bilder-Flut nur dadurch zustande kommt, dass du verschieden fokussierte Bilder machst um so zufällig ein scharfes (am richtigen Fleck) zu erwischen, dann dürfte es doch kein Problem sein am Rechner die Bilder gleich zu löschen, wo der Fokus eben nicht passt.
    Ist ein Bild erstmal weg, wird man es sowieso garantiert nicht irgendwann vermissen. Zumindest eben den Ausschuss nicht.

    Gruß
    Astrid

  9. Oh je, Fotos löschen – das geht ja gar nicht. Ich bin auch ein bekennender Daten-Messie und es fällt mir unendlich schwer, mich von weniger gelungenen Aufnahmen zu trennen. Es ist nicht leicht, in der Masse der Ordner und Bilder den Überblick zu behalten. Neulich habe ich lange erfolglos nach einigen Fotos gesucht und 2 Wochen später per Zufall in einem mangelhaft benannten Ordner gefunden. Grrr.

    Das Problem mit dem scharfen oder nicht scharfen Insektenauge / Flügel / Fühler habe ich natürlich auch – selten ist das Licht so gut, dass man die Blende ein bisschen zumachen und einen größeren Schärfenbereich erzielen kann. Manuell scharfstellen hat sich bei Insektenmakros bei mir nicht bewährt. Ich zentriere halt so gut es geht, mache mehrere Bilder und hoffe.

    Oft habe ich hunderte von Bildern gemacht ohne befriedigendes Ergebnis und manchmal ist ein ganz spontan geknipstes, ungeplantes Foto das qualitative Higlight des Monats.

    So ist das :-)

    • Oh je, Fotos löschen – das geht ja gar nicht. Ich bin auch ein bekennender Daten-Messie und es fällt mir unendlich schwer, mich von weniger gelungenen Aufnahmen zu trennen.

      Du sprichst mir aus der Seele :-)

  10. Kenn ich zu gut! Allerdings ist es besser geworden, seit ich Lightroom nutze. Da kann man super mehrere Bilder vergleichen und so schnell das beste rausfinden (gibt diverse Ansichten dafür). Seither gehört das radikale Löschen direkt zum Importprozess dazu. Und das hilft verdammt gegen die Bilderflut. Muss ich nur noch die ca. 30k Dateien der vergangenen Jahre durchgehen. Irgendwann… Wenn ich in Rente bin wohl.

  11. auch ich bin brillenträgerin und hab das problem mit der schärfe. und dem löschen…
    ich fotografiere eigentlich nur manuell und meist mit spotmessung, habe aber immer wieder das gefühl, auch wenn mir die kamera sagt, jetzt isses scharf, stimmt das gar nicht, und das bild ist am rechner betrachtet einfach nicht scharf genug.
    ich hab für mich jetzt eine beschränkung eingeführt. nicht mehr als 5 bilder von ein-und demselben motiv. ist von den 5 eins was geworden, wird’s behalten. wenn nicht, lösche ich alle miteinander. sonst blick ich gar nicht mehr durch bei den vielen fotos…
    schön, daß ich mit diesem problem nicht alleine bin ;o)

  12. Vielleicht wäre eine Mattscheibe mit Schnittbildindikator was für dich. Dienst zum besseren manuellen Scharfstellen und den Autofokus kann man damit auch kontrollieren. Zumindest besser als mit der normalen Mattscheibe.

    Und was das Löschen angeht – ich kann das auch nicht. Ich lösche nur die, die offensichtlich mies sind, also Augen halb zu und sowas. Die anderen bewahre ich auf, gehört ja auch irgendwie zum kreativen Prozess dazu und Speicherplatz ist heutzutage zum Glück so günstig, dass man sich ab und zu eine neue Platte leisten kann. Wenn du die Bilder richtig organisierst (also z.B. die Ordner ordentlich benennst, die Bilder taggst (wenn Bridge das kann) oder eben deinen Weg findest) dann wirst du später sicher auch kein Problem mit dem Wiederfinden haben. :)

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