social media experten

Gestern habe ich eine nette e-mail bekommen. Persönlich an mich gerichtet, mit Impressum und allem was dazu gehört, um das ganze seriös zu gestalten. Hier wurde also alles richtig gemacht, sodass ich die e-mail nicht gleich ins Nirvana geschickt habe. In der e-mail ging es darum, mich für ein vorweihnachtliches Marketing-Projekt zu begeistern. Im Auftrag einer bekannten Pflegemarke wurde ich nun gefragt, ob ich Lust hätte in meinem Blog darüber zu berichten. Man würde mir ein Paket zusenden, in dem ein Teil für mich wäre. Den anderen Teil sollte ich, und so ist das Konzept der Projektes, an einem Lieblingsort in meiner Umgebung verstecken und dann in meinem Blog darüber berichten. Ich nenne es mal “Creme-Marketing-Geocaching”.  Ich schrieb daraufhin zurück, das die Idee an sich ja witzig wäre, ich mir aber nicht vorstellen kann, das sich in meiner Gegend, in der sich Hase und Igel Gute Nacht sagen, jemand finden wird, der das Paket suchen geht und ob ich es nicht lieber verlosen sollte. Die Antwort kam prompt, nein, das würden sie nicht wünschen, weil es nicht ins Konzept passt und ob ich nicht einen anderen Ort finden könnte. Diese Antwort hat mich dazu gebracht, über das Projekt intensiver nachzudenken und je mehr ich darüber grübelte, um so genervter wurde ich. Vor lauter Ärger habe ich die e-mails erst einmal gelöscht.  Im Nachhinein finde ich die ganze Art und Weise ein bisschen frech.

Warum, möchte ich kurz erklären.  Eine Firma möchte ihr Produkt erfolgreich bewerben und denkt sich dafür eine Marketingaktion aus. In der heutigen Zeit schreibt man dafür ein paar dumme Blogger an, die sich bestimmt für ein paar Chremedöschen daran beteiligen. Man erwartet nicht nur von Ihnen, dass sie einen sorgfältigen Bericht mit den richtigen Keywords und entsprechenden Verlinkungen schreiben, sondern auch noch, dass sie Ihre Zeit dafür opfern, in der Gegend rumzufahren, einen Ort suchen in dem das Produkt ablegen und dann noch in den darauf folgenden Tagen schauen, ob es noch da ist oder ob sich schon die Wildschweine damit gepflegt haben. In meinem Fall würde das bedeuten, pro Tag eine Fahrzeit von einer halben bis dreiviertel Stunde einfach plus Spritkosten zu berechnen. Zudem müsste ich Zeit für den Artikel einkalkulieren.  Ich würde da bei drei Tagen auf mindestens 6 Stunden Arbeitszeit kommen. Und das alles für ein paar Proben Cremedöschen? Und noch am Rand erwähnt, finde ich es ziemlich umweltunfreundlich, ein Cremedöschen-Paket in einem Naturschutzgebiet auszulegen, Sprit dafür zu verfahren usw. Das widerspricht meiner grünen Gesinnung.

Sagt mal, ihr Seo- und social media Management Experten, wie dämlich haltet ihr uns Blogger?  Ich wurde in der e-mail noch nicht einmal gefragt, ob ich die Marke mag und ob ich die Produkte benutzte. Ich verwende sie nämlich gar nicht, weil ich von allen Cremes, egal welcher Marke, pubertierende Pickel bekomme.  Warum macht ihr nicht einen ehrlichen geschäftlichen Vorschlag? Für ein entsprechendes Honorar würde ich sicherlich eure Marketingaktion unterstützen, wenn sie meinen ökologischen und ökonomischen Grundsätzen entspricht.

Und weil ich so in Laune bin, kann ich gleich noch zu einem ähnlichen Thema übergehen. An all diejenigen, die mich zur Zeit wegen eines Linkes anschreiben, möchte ich bitten, sie anders zu formulieren. Auf Anfragen, in denen mir erklärt wird, wie toll ich doch sei, wie gut mein Blogs ist, mag ich mich zwar gebauchpinselt fühlen, aber, es befremdet mich doch ein bisschen. Ich gehe ja schließlich auch nicht in meine angebliche Lieblingsboutique, die ich zuvor noch nie betreten habe und sage zu der Inhaberin “Liebe Frau Boutique Besitzerin, ich liebe ihren Laden, ich liebe ihre Ware, sie sind ja so toll. Die Jacke dahinten und die Bluse hier vorne würde ich gerne umsonst haben wollen.” Die liebe Frau Boutique Besitzerin würde mich sicherlich kommentarlos freundlichst ihres Ladens verweisen. In meinem Fall reagiere ich auf diese e-mails nicht, auch wenn ich 2 oder 3 Mal angeschrieben werde.

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Autor: Jana

Hallo, ich heiße Jana. Ich liebe das bloggen und die Fotografie ist meine größte Leidenschaft. Ich freue mich auf deinen Kommentar!

7 Kommentare

  1. klasse beitrag … du sprichst mir aus der seele. wenn ich persönlich für mich aufwand und nutzen gegenüberstelle, dann bleibt ein sklavenlohn übrig. ich habe die arbeit und darf mich von anderen vielleicht noch anmachen lassen … die marketingstrategen sind fein raus und müssen sich keine gedanken machen.

  2. Ich habe demnächst ein Interview mit einer Dame, die eine wissenschaftliche Arbeit über genau jenes Thema schreibt. Ich werde sie an den Artikel verweisen. ;)

    Ansonsten unterschreib ich deinen Artikel mal soweit. Wobei ich als Foodblogger schon die überwiegende Zahl Anfragen mit relativ vernünftigem “Preis-Leistungs-Verhältnis” bekomme. Kochbücher, Küchengadgets, Lebensmittel sind oft Dinge, die man sich selbst schon gekauft hätte, weil man sich oft sowieso schon informiert hat, was demnächst raus kommt etc.

    Was mich allerdings stark annervt, ist wenn die Marketingmenschen ganz offensichtlich nicht mal einen Blick ins Blog geworfen haben. (Z.B. einem Dinge anzudrehen versuchen, über die man noch nie ein Wort verloren hat, weil sie einen nicht interessieren und man dann noch in der 08/15 Mail als “Sie als bekennender Weinliebhaber / Fleischliebhaber” angesprochen wird, wenn man Nicht-Alkohol-Trinker oder Vegetarier ist.)

    Hast du eigentlich nochmal was von dem Werkzeugheini gehört? Wir hatten zwar Mailkontakt und er meinte auch es ginge “alles klar”, effektiv war dann aber Sendepause. Der Mitesser hatte dann zusätzlich eine Bestellung aufgegeben, der er auch mehrmals hinterhermailen musste. (Sie kam aber immerhin an.)

    • du darfst gerne verweisen :-)
      Dann werde ich auch Foodblogger. Ich bräuchte soviel noch für die Küche und ich mag sehr gerne kochen und backen. Nur schreibe ich nicht darüber, weil ich dann ja auch noch aufwändige Fotos machen müsste und das ist mir dann doch zuviel. Die Zeit nehme ich mir lieber fürs gemütliche Essen :-)
      Ja, ich habe vorgestern endlich das Paket erhalten. Ich hatte auch schon nicht mehr dran geglaubt. Nur hatte ich mir einen Wasserstrahler für die Terrasse gewünscht und jetzt liegt Schnee und es kommt Frost. Mal sehen, wann ich darüber schreiben kann.

      • Ich bin schwer für eine “Futter” Rubrik bei dir. Die Essensfotos die ich bisher bei dir gesehen hatte, haben mir gut gefallen. Mit der Zeit bekommt man da auch eine gewisse Routine rein und alles schreibt sich recht flüssig. Wenn man an sich selbst nicht den Anspruch hat, tolle Fotos liefern zu müssen (weil man ja eigentlich keine Ahnung davon hat, so wie ich :D ) dann ist das alles relativ stressfrei. Und ich glaube, die tollen Futterfotos kommen bei dir eher nebenbei. :)

        Das mit eurem Wasserstrahler ist natürlich klasse… Aber dann besteht wenigstens Hoffnung. Im Frühling dann halt. ;)

  3. Du sprichst mir aus der Seele! Mir sind auch schon so viele PR-Mails in meinen Posteingang geflattert, wo ich mir gedacht habe, was das soll. Und immer wieder kann ich über die dumm-dreisten Vorstellungen der PR-Heinis den Kopf schütteln..

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