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Oliver Bottini: Mord im Zeichen des Zen (Hörbuch)

Prolog

Als Johann Georg Hollerer am Samstagmorgen einen ersten Blick aus dem Küchenfenster auf die verschneite Hauptstraße von Liebau warf, hatte er eine Vision. Aus dem dichten Schneetreiben manifestierte sich ein asiatischer Mönch, der nur mit einer dunklen Kutte und Sandalen bekleidet war. Sein fast kahler, feuchter Schädel glänzte im trüben Morgenlicht. Langsam schritt er an Hollerers Küchenfenster vorbei Richtung Kirchplatz.
Dass er keiner Vision aufgesessen war, begriff Hollerer erst eine halbe Stunde später. Während er die Uniformjacke über dem ausladenden Bauch zuknöpfte, fiel ihm ein, dass er über dem rechten Ohr des Mönchs einen großen, dunklen Fleck bemerkt hatte. Hollerer kannte solche Flecken zur Genüge, in allen Stadien der Verfärbung, in allen Größen, in allen Körperregionen. Der Mönch hatte eine Wunde am Kopf.
Beunruhigt trat er zum Nachttischchen. Unter dem verstaubten Alten Testament lag seine Dienstpistole. Er hatte sie in dreißig Jahren kein einziges Mal getragen, geschweige denn benutzt. Jetzt hob er sie mit Daumen und Zeigefinger heraus.
Hollerer fand den Mönch auf dem Kirchplatz. Obwohl es noch immer stark schneite, saß er im Schneidersitz vor den Stufen der katholischen Kirche. Seine Augen waren geschlossen.
Zwanzig, fünfundzwanzig Liebauer hatten sich im Halbkreis um den Mönch versammelt. Flüchtig nickte Hollerer in die Runde. Der Bürgermeister war da, die beiden Pfarrer, andere Honoratioren, ein paar Bauern, ein paar Kinder. Niemand sprach. Nicht einmal ein erstauntes Flüstern vernahm Hollerer. Er hatte das Gefühl, alle warteten darauf, dass etwas geschah. Dass der Mönch die Augen aufschlug und erklärte, was er da machte und woher er kam. Oder dass jemand die Initiative ergriff.
Hollerer trat von der Seite bis auf zwei Meter an den Mönch heran. Da war die Wunde. Zehn Zentimeter lang, fünf Zentimeter hoch. Ein bläuliches Mal, an den Rändern gelbgrün, im Zentrum blaurot, von einem heftigen, versehentlichen Stoß oder einem gezielten Schlag. Hollerer wusste nicht weshalb, aber er tippte auf einen Schlag. Ein Schauer lief ihm über den Rücken.
«Wir müssen was tun, der erfriert uns ja», sagte Hollerer zu niemand Bestimmtem. In die Menge kam Bewegung, verhaltenes Stimmengewirr setzte ein.
Der Mönch rührte sich ebenfalls. Er hob den Kopf und schlug die Augen auf. Sie waren sehr schmal und wirkten, fand Hollerer, leblos und traurig. Langsam glitten sie über die Liebauer.
Auch auf Hollerer ruhten die schmalen Augen sekundenlang. Der Blick war merkwürdig. Nicht unfreundlich, aber merkwürdig. Wissend. Hollerer konnte sich den Blick nicht erklären. Der Mönch sah ihn an, als würde er ihn kennen. Als wüsste er etwas über ihn, das Hollerer selbst nicht wusste. Dann wandte der Mönch den Blick ab.

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Einsendeschluss ist der 14.9.2010, 23:59 Uhr
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PS: Am 5. Oktober 2010 erscheinen von Oliver Bottini das vierte Taschenbuch “Jäger in der Nacht” und sein neues Hardcover-Buch “Das verborgene Netz

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Autor: Jana

Hallo, ich heiße Jana. Ich liebe das bloggen und die Fotografie ist meine größte Leidenschaft. Ich freue mich auf deinen Kommentar!

32 Kommentare

  1. Hallo Jana! Im Falle dessen, – ich sollte so viel Glück haben und dieses geniale Hörspielpaket gewinnen…dann würde ich mich über eine Signierung von Oliver Bottini sehr freuen

    Und hier meine Antwort:Louise Bonì (Hauptkommissarin) bei der Freiburger Kripo.

    Liebe Grüße

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