Traumberuf Schriftsteller/in

Interview, Traumberuf

Ich finde es faszinierend, wer meinen Blog liest und welche Persönlichkeiten sich dahinter verbergen. Durch persönliches Nachfragen bei Juliane habe ich herausgefunden, dass sie Schriftstellerin ist und ihre Werke bei einem großen Verlag veröffentlicht. Da ich selber unwahrscheinlich gerne und viel lese, kamen mir spontan ein paar Fragen, die ich schon immer mal einer Schriftstellerin stellen wollte.

Hier mein 1. Interview unter dem Motto: Traumberuf Schriftstellerin

Wenn du einen Roman mit einem historischen Hintergrund schreibst, wie gehst du da vor? Setzt du dich Wochenlang in eine Bibliothek und liest du alles zu dem Thema Mittelalter? Wie kommst du auf die Charaktere und auf die Handlung?

Bei der „Die Bastardin“ war zuerst das Thema – ein historischer Krimi sollte es werden. Dann war da die Begeisterung für Friedrich Barbarossa und Heinrich den Löwen, über die ich schon immer mal schreiben wollte. So entstand langsam die Idee, eine Krimihandlung in das Umfeld der beiden einzubetten. Ich überlegte mir einen Handlungsort (Regensburg), und ich brauchte vor allem noch einen dritten Pol, das wurde dann Agnes, die Halbschwester von Friedrich Barbarossa, die allerdings völlig fiktiv ist. So entwickelte sich langsam auch die Handlung und das Drumherum.

Man kann also sagen: erst weiß ich, wer da handelt, dann erst kann ich mir überlegen, was passiert. Das führt dann manchmal zu Komplikationen, zum Beispiel war ich mir bei der „Bastardin“ durchaus bewusst, dass zwar Friedrich Ende Mai 1147 definitiv in Regensburg war, von Heinrich dem Löwen weiß man aber nicht so genau, wo er zu dem Zeitpunkt steckte, nur, dass er Ende Juni 1147 in Magdeburg gewesen sein muss.

Ich sitze nicht wochenlang in Bibliotheken. Zum Einen habe ich einen großen Bestand Fachbücher zu Hause stehen (unter anderem das Lexikon des Mittelalters, das für jeden, der sich in der Zeit herumtreibt, unentbehrlich ist), zum Anderen besorge ich mir viele Bücher auch über Fernleihe. Manchmal ist auch nur ein bestimmter Artikel interessant, und die meisten Bücher stehen nicht in der Unibibliothek vor Ort.

Dein letztes Buch, die Bastardin, wie lange hast du dafür recherchiert und geschrieben? Kannst du dich einfach hinsetzen und einen Roman aufschreiben oder bist du wochenlang „schwanger“ mit einem Thema?

Tatsächlich braucht jeder Roman seine Zeit. Meist liegen zwischen erster Idee und Abgabe des Manuskripts neun Monate (das war dann extrem schnell) bis 18 Monate. Für die „Bastardin“ habe ich von der ersten Idee bis zum fertigen Manuskript ziemlich genau 16 Monate gebraucht. Und auch „Die Rose der Kreuzritter“, das ich gerade abgeschlossen habe, brauchte von der ersten Idee bis zum fertigen Manuskript 20 Monate.Das lag aber daran, dass ich noch ein Projekt dazwischen geschoben habe: „Das Lied der Sonnenfänger“ ist ein Neuseelandroman und erscheint im Januar 2010 unter dem Pseudonym Julie Peters bei Wunderlich.

Es ist allerdings nicht so, dass ich wirklich konsequent jeden Tag an dem Manuskript arbeite. Bei der „Bastardin“ hatte ich neben dem Roman auch noch mein Studium und meine Arbeit als Übersetzerin zu bewältigen. Die intensive Schreibarbeit zum Schluss dauerte dann ungefähr vier Monate, vorher hatte ich aber auch schon viel geschrieben.

Ähnlich sieht es bei „Die Rose der Kreuzritter“ aus. Die erste Idee wurde im Dezember 2008 gesät, abgegeben wurde Anfang August 2010. Zwischendurch habe ich viel Anderes gemacht, aber der Text hat quasi in mir „gearbeitet“. So läuft es dann auch beim Schreiben: ich kann, wenn ich etwas gründlich durchdacht habe, in relativ kurzer Zeit recht viel schreiben, aber dann brauche ich wieder eine Pause, in der ich quasi neu darüber nachdenke, was nun folgt. Fehlt die Zeit, wird das Schreiben recht anstrengend.

Der erste Entwurf (also das Exposé, mit dem das Projekt beim Verlag angeboten wird) fällt mir hingegen leicht, und ich lege darin auch nicht alles fest. Ich weiß, woher meine Figuren kommen, ich weiß, wo sie am Ende stehen. Was dazwischen passiert, ist einer gewissen Bewegung unterworfen und überrascht mich manchmal am meisten.

Das Buch ist beim Piper Verlag erschienen. Hast du dich dort mit deinem Manuskript beworben bzw. wie kommt ein Schriftsteller an einen Verlag? Es heißt ja immer, das es total schwer ist, bei einem renommierten Verlag aufgenommen zu werden.

Es ist wirklich schwer – aber nicht unmöglich.

Ich hatte das Glück, schon sehr früh meine Agentin Natalja Schmidt von der Agentur Schmidt & Abrahams zu finden. Die Chemie stimmte einfach von Anfang an, und mit ihrer Unterstützung habe ich das Projekt ausgearbeitet und geschrieben. Mit den ersten hundert Seiten hat sie das Manuskript dann bei den Verlagen vorgestellt, und es gab wohl einige positive Resonanz; als ich das Manuskript dann abgeschlossen hatte, ging alles ganz schnell: Piper wollte den Roman veröffentlichen, und für mich war Piper einer meiner Traumverlage. Ich glaube, ich bin wochenlang mit einem seligen Grinsen rumgelaufen.

Letztlich war ja „Die Bastardin“ auch nicht mein erster Roman. Ich hatte vorher schon viel geschrieben und veröffentlicht (das lief dann unter Pseudonym), und konnte so schon viele Erfahrungen sammeln. Grundsätzlich muss man aber sehr viel schreiben und hart an sich arbeiten, bevor man ein Manuskript fertigstellt, das ein großer Verlag gerne veröffentlichen möchte. Die Schwierigkeit ist also nicht, den Verlag zu finden, sondern ein gutes Manuskript zu schreiben – daran hapert es ja bei den meisten Autoren, die sich am Romanschreiben versuchen.

Inwieweit wird dein Manuskript von einem Verlags-Lektor verändert? Diskutiert ihr die Änderungen?

Das ist ganz verschieden. Meist bekomme ich einige Monate vor dem Erscheinungstermin die Datei mit den Änderungen aus dem Lektorat oder einen Ausdruck vom Manuskript, in den die Änderungen geschrieben sind.

Ich schaue mir die Vorschläge an; meist handelt es sich um sprachliche Feinheiten, Wiederholungen, die man irgendwann nicht mehr sieht (man ist fürs eigene Manuskript schlicht betriebsblind; bei anderen Manuskripten, die ich lektoriere, sehe ich solche Dinge dafür sehr deutlich), kleine Ungenauigkeiten, klar, Rechtschreibfehler sind auch immer dabei, und so weiter. Größere Umbaumaßnahmen (wie zum Beispiel: Kapitel streichen, umstellen, etc.) hatte ich bisher noch nicht.

Ich gehe die Änderungen dann durch und nehme die an, die mich überzeugen. Meist sind das 95% der Änderungen, manche Dinge korrigiere ich auch zurück, weil ich mir ja schon was dabei gedacht habe, als ich es so geschrieben habe. Aber grundsätzlich sind Lektorinnen für mich eine echte Hilfe, und sie machen das Manuskript dann noch mal richtig schön rund. Diskutiert wird da eher selten; jedenfalls muss man sich das nicht so vorstellen, dass wir beide auf unseren Standpunkten beharren.

Natürlich muss man sich darauf einlassen, und natürlich ist das nicht leicht. Wenn ich ein lektoriertes Manuskript bekomme, regt sich ein kleiner Teil von mir grundsätzlich erst mal ein kleines Bisschen auf. „Nee, nee, nee, das ändere ich nicht!“, grollt es dann in mir, bis ich dann tief durch atme und versuche, die Vorschläge nicht mit als Autorin, sondern beispielsweise als Leserin zu betrachten. Und dann sehe ich schon: die Lektorin hat recht. Und ich nehme die Änderung an. Außerdem ist das etwas, das ich nur zu Beginn eines Lektorats bei mir beobachte; später habe ich mich an den Stil der Lektorin gewöhnt, und es geht flott von der Hand.

Etwas Besonderes war da für mich das Schreiben von „Das Lied der Sonnenfänger“. Bei dem Roman habe ich immer die einzelnen Teile zu meiner Lektorin geschickt, während ich das Buch noch geschrieben habe, und sie hat mir die Texte mit Anmerkungen versehen zurückgeschickt. Ich habe den Papierstapel in die Küche gelegt und bin ins Arbeitszimmer gegangen. Drei Tage hat’s gedauert, bis ich mich gewappnet hatte, mal einen Blick in die Anmerkungen zu werfen – und dann war ich froh, erleichtert, entzückt. Sie hat tolle Anmerkungen gemacht, mit denen ich richtig was anfangen konnte, die ich noch während des Schreibprozesses ins Manuskript einfließen lassen konnte.

Ich habe mir die Rezensionen zu deinem letzten Buch Die Bastardin durch gelesen, die in der Mehrzahl sehr positiv kritisiert wurden. Nur eine Kritikerin hat dir 3 Sterne geblieben, weil  ein paar historische Fakten nicht stimmen würden. Wie gehst du persönlich mit dieser Kritik bzw. anderen negativen Kritiken um? Möchtest du am liebsten bei Amazon darauf antworten?

Die Rezensentin geht ja auf die Namensgleichheit der Protagonistin mit der Großmutter Friedrich Barbarossas ein. Ich wusste von Anfang an, dass das ein Problem war, aber ich hatte eine historische Notiz geschrieben, in der ich auf genau dieses Problem einging. Leider wurde die historische Notiz aufgrund eines Produktionsfehlers in der 1. Auflage nicht abgedruckt. In der 2. Auflage ist sie dabei, aber das nützt ja den Lesern der 1. Auflage leider nichts.

Gerade bei den ersten negativen Kritiken juckt es natürlich in den Fingern, und man möchte am Liebsten sofort etwas darauf antworten. Aber ganz ehrlich: ich halte nichts davon. Ich mag den Dialog mit den Lesern, ich mag es, wenn sie mir erzählen, was ihnen an meinem Buch gefallen hat, aber auch, wenn sie etwas nicht mochten. Amazon-Rezensionen richten sich allerdings nicht an den Autor, sondern vorrangig an die Leser, und wenn eine Rezensentin etwas bemängelt, ist das ihr subjektiver Eindruck, und den lasse ich ihr gerne.

Wenn du schreibst, vergleichst du dich mit anderen Schriftstellern die im selben Genre schreiben? Liest du die Bücher und kennst du einige Autoren auch persönlich? Gibt es einen Austausch zwischen euch bzw. kennst du deine Kollegen auch persönlich?

Ich vergleiche mich mit niemandem. Warum sollte ich?
Ich glaube, jeder Autor sollte das Selbstvertrauen haben, seinem eigenen Stil zu vertrauen. Ich weiß, dass mein Stil im Laufe der Jahre Veränderungen unterworfen ist, dass ich auch für verschiedene Genres unterschiedliche Erzählstimmen wähle und damit spiele. Allein deshalb kann ich mich schwer mit anderen vergleichen. Ohnehin: gib zehn Autoren ein Thema vor, und du bekommst zehn völlig verschiedene Geschichten.

Ich lese natürlich vieles aus dem Genre, doch lasse ich mich bei meiner Entscheidung, was ich lese, nicht davon leiten, „oh, da schreibt jemand übers 12. Jahrhundert, das muss ich lesen“, sondern ich lese wie jeder andere Leser auch: das, was mich privat interessiert. Schwierig ist allerdings, dass mit dem wachsenden Sprachgefühl auch zunehmend ungnädig werde. Wenn ein Buch mir sprachlich nicht gefällt, wandert es ganz schnell in das Regal mit den Büchern, die ich weggebe, da kann die Geschichte noch so faszinierend sein. Besonders bei Übersetzungen aus dem Englischen fällt mir das auf; da ich auch übersetze, bin ich hochempfindlich, und wenn ich Übersetzungsfehler entdecke, geht schon mal gar nichts mehr.

Aber im Grunde lese ich viel und gerne, und das klingt jetzt schlimmer, als es tatsächlich ist. Die meisten Bücher sind handwerklich sehr gut.
Ich bin mit einigen Autorenkolleginnen inzwischen sehr gut befreundet. Es ist gut, da nicht völlig allein zu sein, und wenn man sich auch nur ein paar mal im Jahr trifft, hält man den Kontakt doch per Mail und tauscht sich intensiv aus. Außerdem bin ich in einigen Autorenforen aktiv – okay, im Moment eher weniger, weil ich viel arbeite. Aber ich mag das persönliche, kollegiale Miteinander.

Du schreibst in deinem Blog, dass du aktuell als freiberufliche Schriftstellerin einen Wolle-Online-Shop gründest. Wie bist du auf diese Idee gekommen? Strickst du selber gerne und viel. Es gibt ja schon sehr viele Woll-Online-Shops. Wie wirst du dich von der Masse abheben bzw. wie würde ein BWLer fragen, was ist dein USP?

Stricken ist eine wunderbare Ergänzung zum Schreiben! Als ich Anfang des Jahres bis über beide Ohren im „Lied der Sonnenfänger“ steckte, habe ich, sobald es irgendwo hakte, mein Strickzeug genommen und ein paar Maschen gestrickt. So entstanden zum Roman ein paar Schultertücher, die ich als bekennende Frostbeule gerne trage. Auch sonst stricke ich viel: Socken, Handschuhe, seltener mal einen Pullover.

Irgendwann im März habe ich mal wieder nach Wolle im Internet gesucht, und dabei fiel mir auf, wie viele tolle Garne es noch nicht in Deutschland gibt. Es sind vor allem amerikanische und kanadische Hersteller, die man nur direkt in den USA oder Kanada bestellen kann. Das dauert Wochen, bis sie hier sind, man muss dafür zum Zoll fahren, schlicht: Es ist irre umständlich.

Außerdem kam hinzu, dass ich einfach einen Ausgleich zum Schreiben, Übersetzen und Lektorieren brauche. Wenn man versucht, den ganzen Tag mit Texten zu arbeiten, ob mit eigenen, fremden oder englischen, dann dreht das Hirn irgendwann am Rad. Ein paar Zahlen hier und da, ein kleiner Onlineshop, Kontakt mit den Kunden.

So wurde die Idee geboren, einen Online-Wollshop aufzuziehen, der genau diese Strickgarne anbietet, die man sonst eben nicht so leicht bekommt. Nach einem halben Jahr Vorbereitung treffen jetzt die ersten Lieferungen ein, und der Shop wird im September online gehen. Vorher kann man sich schon mal im Blog zum Shop informieren …

Juliane im Netz:

Blog: http://jules.bloginsel.de Twitter @jules79
Blog: http://blog.jules-wollshop.de Twitter:  @jules_wollshop

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Hallo, ich heiße Jana. Ich liebe das bloggen und die Fotografie ist meine größte Leidenschaft. Ich freue mich auf deinen Kommentar!

6 Kommentare

  1. Sehr spannend alles für mich, obwohl ich nicht mehr viel lese, eher am PC :-) aber super interessantes Interview. So etwas lese ich gerne.

    • Danke sehr. Da heute so wenig Feedback darauf kam, dachte ich schon, das die Fragen so uninteressant sind… dabei hat Juliane so gut geschrieben darauf geantwortet, das ich richtig begeistert war….

  2. Danke, Jana, das war sehr interessant. Du hast auch gute Fragen gestellt! Leider komme ich gar nicht mehr zum Lesen ausserhalb des Internets bxw. lasse ich bewusst die Finger davon, weil ich sonst tagelang schmökere, statt mich um Familie und Haushalt zu kümmern, haha =) Für die Bucher, die meine Eltern mitgebracht haben, revanchieren wir uns noch, wenn wir erst einmal umgezogen sind, vielen DANK!!!

  3. Ich glaube, das ist wieder einer der typischen runden Artikel, die dann für sich stehen, rund sind und kaum eines weiteren Kommentars bedürfen. Ich bin generell nicht so der facebook-liker, sonst hätte ich das hier getan. ;)
    Muss mir doch mal dieses flattr-Zeug anschaffen.

  4. Pingback: Schriftsteller-werden.de » Blog Archiv » Links zum Sonntag #2 - Kreatives Schreiben Lernen

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