Geht es mir nur alleine so oder ist in der Blogosphäre zur Zeit nichts los? Alles ist so still, so leer und ich habe das Gefühl, dass alle den Mittwoch als den Schicksalstag unserer Nation abwarten.
Ich habe die letzten Tage zum aufräumen genutzt und 120kg Sperrmüll aus unserer Wohnung und Keller getragen. Wie kann man nur soviel Müll ansammeln? Die letzten Tage habe ich viel gelesen und mir eine Mini-Nähecke eingerichtet. Dank Sperrmüllprogramm war ein Plätzchen dafür freigeworden. Gleichzeitig habe ich mich in fremden Blogs herumgetrieben und mal wieder über meinen Blogtellerrand geschaut.
Seitdem geht mir ein Artikel über die Fotografie nicht mehr aus dem Kopf, den ich leider nicht wiederfinde. In diesem ging es darum, ob und wie die Fotografie das Leben beeinflusst. Anhand des Vaters, der viele Jahre gegen den Krebs kämpfte, hat der Blogautor beschrieben, wie sich die Fotografie positiv auf seinen Vater ausgeübt hat, wie er immer wieder dadurch Kräfte sammeln konnte. Nach über 5 Jahren hat der Vater den Kampf verloren. Der Artikel hat mich sehr berührt und ich habe überlegt, welche Rolle die Fotografie in meinem Leben spielt und ob sie etwas bewirkt.
JA, sie bewirkt sehr viel. Wie sagte ich letztens zu meinem Partner. Wenn ich fotografieren gehe und mich stundenlang in einen Acker schmeiße, dann vergesse ich alles um mich drum herum. Das ist wie eine Therapie. Andere gehen laufen oder malen. Ich gehe fotografieren um den Kopf frei zu bekommen. Ich liebe das Geräusch, wenn die Kamera auslöst. Ich liebe es an den Rädchen zu drehen, neu einzustellen und anschließend zu gucken, wie sich diese Änderungen auf das Bild ausgewirkt haben. Dabei kann ich komplett die Zeit vergessen. Wenn ich dann nach Hause komme und nichts wichtiges anliegt, gehe ich als Erstes zu meinem PC und lade die Foto herunter. Ich kann es kaum erwarten, diese dann in einem ersten schnellen Durchlauf anzuschauen.
Als mein Papa kurz vor Weihnachten letztens Jahres im Sterben lag, kaufte mir mein Partner eine neue Kamera als Weihnachtsgeschenk. Obwohl ich schon monatelang mit einem neuen Baby liebäugelte, habe ich zu diesem Zeitpunkt gar nicht daran gedacht. Es war sogar so, dass ich das Gefühl hatte, dass mein Partner mir einen materiellen Ausgleich zum Verlust meines Vater geben wollte und ich mich dafür geschämt habe und es erst einmal ablehnte. Doch eigentlich hat er es nur gut gemeint und bin ihm heute sehr dankbar dafür. Wie oft war ich in diesen Wochen alleine im Park unterwegs und habe dunkle Winterbilder gemacht. Das Fotografieren hat mir das Gefühl gegeben, das es auch noch was schönes im Leben gibt. Das das Leben normal weiter gehen kann. Die Fotografie hat mir die Kraft gegeben, diese Zeit zu überstehen. Die Fotos sind alle sehr düster. Sie spiegeln wieder, wie es mir zu dieser Zeit ging. Auch heute noch, ein halbes Jahr später, denke ich täglich an meinen Papa und träume sehr viel von ihm. Im Inneren weiß ich aber, dass er das gut findet wie ich damit umgehe.
Durch diese intensive Erfahrung hat die Fotografie eine viel größere Bedeutung für mich bekommen. Während ich früher eher sporadisch alle Wochen mal los zog, muss ich das jetzt wöchentlich tun. So wie andere zum Sport gehen und sich auspowern, muss ich mit meiner Kamera durch die Gegend streifen. Ein wunderbares Gefühl, auch wenn ich die meisten Bilder niemals zeigen würde und auch ein Großteil davon nicht sehenswert ist.
Um so mehr freue ich mich, wenn meine gezeigten Fotos Anklang finden. Ich weiß, das sie nicht perfekt sind und das ich noch viel üben muss. Das auch die Bandbreite der Motive größer werden müsste. Doch viel wichtiger als die Perfektion ist die Leidenschaft, diesen Hobby nach zu gehen.
An dieser Stelle an Dankeschön an meine Leser, die mir in den letzten Wochen und Monaten immer wieder geschrieben haben, dass sie meine Fotos mögen (zumal das ja Geschmackssache ist). Das gibt mir Kraft, weiter zu machen!

ach liebe jana, ich mag deine bilder sehr und ich verstehe deinen ansatz sehr gut. für mich hat die beschäftigung mit fotos auch etwas meditatives. und das wichtigste ist ja, dass es einem selbst gefällt. alles andere ist das sahnehäubchen (=
Ich kann das sehr gut beurteilen was die Fotografie mir bringt. Kraft und Spannung in meinem Leben, einen Ähnlichen Artikel habe ich verfasst nur noch nicht Online. Habe mir das dreimal überlegt ob es Sinn macht.
Bei meinen vielen und langer Krankheit muss ich zugeben ist die Fotografie mehr geworden für mich wie je erwartet wurde. Sie gibt mir sehr viel, und das soll auch so bleiben. Nicht umsonst ist mein Nickname bzw. Blog Bezeichnung: “Nicht Gesund, aber Mitten im Leben!
Dann schreib doch deine Gedanken einfach mal auf. Im Nachhinein ist mir noch viel mehr eingefallen, was ich hätte schreiben können. Das hilft den Kopf klar zu bekommen. Ich würde mich freuen, wenn du deine Gedanken dazu äußern würdest :-) denn es macht viel Sinn!
Hm, ich habe nicht das Gefühl, dass es ruhiger geworden ist, mein Reader spukt immre noch um die 150 neue Artikel täglich aus ;-) Wahrscheinlich kommt es ein bisschen darauf an, welche Blogs man im Feedreader hat resp. ob diese stark regional begrenzt sind – ich könnte mir schon vorstellen, das der ein oder andere bei schönem Wetter eher draussen ist oder sich um die Fussballwm kümmert.
Mein Reader zeigt auch noch viel an, aber die Blogs die ich sehr gerne lese, da ist es zur Zeit viel ruhiger als sonst.
Ein sehr schöner und sehr inniger Bericht! Ich kann das seht gut nachempfinde und habe das Gefühl, dass das Fotografieren hilft, nicht nur die Objekte sondern die Welt um einen herum und damit letztlich auch alles, was einen gerade beschäftigt, aus verschiedenen Perspektiven zu sehen, neue Blickwinkel und Ansätze zu probieren – das bereichert das Leben!
…its all so quiet…sschhh….sschhh…
Hmmm, also die Blogs, die ich heute schon besucht habe, die hatten zumindest heute alle schon was neues drin … wenn auch weniger als sonst, das stelle ich auch fest. Tja, sind wohl schon alle im Fußballfieber :-)
Sperrmüll … und dann so eine Menge … das kommt mir bekannt vor. So eine Aktion haben wir auch einmal hinter uns gebracht. Seitdem horte ich nix mehr und schmeiße regelmäßig die Sachen raus. Man braucht sie ja doch nicht mehr :-)
Du hast eine Nähecke … Wahnsinn … ich bin für Handarbeiten nicht zu gebrauchen *hüstel*
Dein Beitrag zur Wirkung der Fotografie hat mir sehr gefallen. Ich kann ihn sehr gut nachvollziehen, denn meine Einstellung zur Fotografie ist die gleiche. Sie ist einfach ein Ausgleich … ohne sie fehlt mir etwas und ich finde es immer furchtbar, wenn ich mal eine Woche nicht mit der Kamera raus in die Natur kann, um einfach abzuschalten. Ich vergesse dort auch immer alles um mich herum und kann mich stundenlang dann draußen herumtreiben :-) Zu Hause werden die Fotos natürlich möglichst erst einmal gesichtet und auch ich würde liebend gern viel mehr fotografieren und meine Motive erweitern. Aber da ich sowieso viel zu wenig Zeit zum Fotografieren habe, fällt mir das erweitern der Motive schwer, weil ich sehr an der Naturfotografie hänge :-)
Dein Umgang mit der Trauer wäre auch meiner gewesen, wenn ich zum Zeitpunkt des Todes meines Vaters schon mit der Fotografie vertraut gewesen wäre. Es hätte mir sehr geholfen, denn ich hatte sehr schwer mit der Tatsache zu kämpfen, dass er plötzlich nicht mehr da war. Leider habe ich die Fotografie erst 10 Jahre später für mich entdeckt.
Ich fotografiere in der Hauptsache wie du einfach für mich selbst und freue mich, wenn andere sich an meinen Bildern erfreuen können.
Und ich sage dir auch hiermit noch einmal gerne, dass ich … so kurz wie ich erst hier mitlese … immer gerne hierher komme und deine Werke bestaune :-)
Liebe Grüße
Frauke
Vielen Dank für deinen lieben Kommentar. Dann hast du deinen Papa ja auch sehr früh verloren, wenn es schon 10 Jahre her ist. Aber ich denke mal, das du damals einen anderen Anker gefunden hast, damit umzugehen. Auch wenn es sehr sehr schwer ist. Für mich ist es heute immer noch nicht fassbar. Ein halbes Jahr ist nichts. Wie oft denke ich, gleich kommt er um die Ecke oder gleich ruft er an… das ist an manchen Tagen unerträglich aber nicht zu ändern. Durch die Fotografie kann ich komplett für Stunden vergessen, was z.B. vor dem Fernseher selten funktioniert. Und das gibt mir viel Kraft.
Ich freue mich, wenn du weiterhin hier vorbei kommst.
Viele Grüße, Jana
Ein sehr schöner Artikel. Ruhig, gefühlvoll, und er fasst das in Worte, was ich auch immer wieder spüre.
Danke schön…
Liebe Jana, das ist ein wunderschöner Artikel. Deine Gefühle kann ich gut nachempfinden. Ich fand ebenfalls im Fotografieren einen Rettungsanker als vor fünf Jahren mein Mann starb. Ich finde es eine schöne, sinnvolle Beschäftigung. Dank dem WWW kann man die Bilder mit andern teilen, das gibt auch wunderschöne Kontakte.
Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft, dass du das Loslassen bald schaffst. Es tut halt schon sehr weh.
Liebe Grüsse
Esther
Zur Bandbreite: Naja, ich habe selber das Gefühl, das es langweilig wird. Ich versuche mich auch schon in anderen Dingen. Meine Schaufensterpuppen haben mir damals auch sehr viel Spaß gemacht und ich habe das Thema über 5 Jahre lang verfolgt. Jetzt suche ich nach etwas ähnliches was mir genauso viel Spaß macht. Blümchen sind es auf die Dauer auch nicht….