Asche auf mein Haupt. Da habe ich mich doch bei Elke für das Projekt “Damals und Heute” angemeldet und irgendwie habe ich das erste Thema verschlafen. Jetzt geht es schon mit dem Thema Kommunikation weiter und da kann ich einiges aus meiner Kindheit plaudern. Wenn ich so an meine Kindheit denke, dann frage ich mich, wie wir überhaupt Treffen organisieren und Freundschaften pflegen konnten.
Wir hatten kein Telefon zu Hause. Wenn ich mit Freunden was machen wollte, dann musste ich immer zu Ihnen nach Hause laufen und fragen ” darf die Susan” mit raus kommen spielen? Wenn ich Pech hatte, natürlich nicht, weil ein Familiennachmittag geplant war oder der- oder diejenige Stubenarrest hatte. Letztes war weit verbreitet. Ich selber habe nie Stubenarrest bekommen, weil ich sowieso lieber drin gebastelt und gemalt habe und rausgehen eher eine Strafe für mich war. Da das meine Eltern wussten, musste ich oft zur Strafe raus spielen gehen und durfte nicht eher zurück kommen. Doch das nur so nebenbei, es ging ja um das Thema Kommunikation.
Toll fand ich als Kind, das meine beiden Omas ein Telefon hatten. Die eine Oma hatte dies zu Hause stehen, musste sich aber die Leitung mit einer anderen Familie in der Strasse teilen. Rief ich an und die andere Familie telefonierte gerade, dann war besetzt. Andersherum natürlich auch. Doch es war ein Privileg, dass sie überhaupt ein Telefon hatten und das nur, weil sie selbstständig waren und ein Geschäft hatten.
Meine andere Oma hatte auch ein Telefon. Das gehörte aber nicht ihr, sondern der Firma, die Räume in ihrem Haus gemietet hatten. Trotzdem durfte ich dort anrufen und meine Oma wurde geholt. Das ich bei beiden Omas überhaupt anrufen konnte verdankte ich einer kleines gelben Telefonzelle, die eine Straße weiter stand. Früher musste ich dort oft anstehen, weil andere auch telefonieren wollte. Gefüttert wurde dieser Apparat überwiegend mit bronzefarbenen 20 Pfennig Stücken. Und weil ich so gerne telefonierte, fing ich an diese 20 Pfennig Stücke zu sammeln. Das taten wohl viele andere DDR-Bürger auch sehr gerne, denn es war nicht so einfach, diese zu bekommen.
Da die meisten meiner Freunde und die meiner Eltern kein Telefon besaßen, war es üblich, das man auf gut Glück bei jemanden am Wochenende oder Abends vorbei schaute. Ich muss gestehen, dass ich das heute vermisse. Alles muss mindestens 2 Wochen im Voraus geplant sein, spontane Treffen gibt es so gut wie nie. Selbst am Abend des Treffens wird vorher noch angerufen und das Treffen besprochen oder und, das finde ich ganz mies, noch schnell abgesagt.
Wie haben wir in der Klasse kommuniziert? Über Zettel natürlich. Auf Zetteln wurde besprochen, wann und wo man sich trifft. Ich habe in meiner Erinnerungskiste noch etliche Zettel liegen, dass sind die, die nie vom Lehrer einkassiert wurden :-)
Wie sieht das heute aus mit der Kommunikation?
Ich persönlich kommuniziere sehr viel per e-mail oder Telefon. Ab und zu auch schriftlich per Brief oder Postkarte. Aber so gut wie nie per Handy und schon gar nicht per SMS. Letzteres ist ein graus. Ich bin so Tastaturverwöhnt, dass ich ewig brauche um in meinem Handy “Hallo”einzutippen. Ab und zu kommuniziere ich auch per Skype, aber fast nur mit Bekannten und Freunden, die weit weg und meistens im Ausland leben.
Wenn ich heute meine mittlerweile 82 Jahre alte Oma anrufe und ihre Festnetznummer wähle (die sie übrigens aus DDR-Zeiten mitgenommen hat!), dann wird dieses Gespräch auf ihr Rentnerhandy mit großen Tasten weitergeleitet. Sie hat nicht einmal, so wie wir, ein Festnetzapparat, sondern nur noch das Handy. Das hat sie überall dabei, was ich gut finde, falls unterwegs mal was ist. Und so sehe ich das auch mit meinem Handy. Ich telefoniere so gut wie gar nicht damit, ich habe es nur als Sicherheit für unterwegs, wo es mir auch schon gute Dienste geleistet hat. Leider neige ich dazu, mein Handy ständig zu Hause zu vergessen und was noch viel unmöglicher ist, es ist meistens aus, weil der Akku alle ist. Wie oft hat sich schon meine Familie beschwert, weil ich nicht ans Handy gehe und nur kommt “der Teilnehmer ist nicht erreichbar”.
Wer mich erreichen will, der sollte mir eine e-mail schreiben oder mich auf dem Festnetz anrufen. Und was mich noch viel mehr freuen würde, wenn derjenige Kommunikationspartner auf einen Kaffee spontan vorbei kommen würde…

Kaum vorstellbar wie das früher war. Wir hatten auch kein Telefon, glaube keiner in der Familie hatte das. Da wurde beim Besuch einfach festgelegt, wann man sich das nächste Mal sieht oder man kam auf gut Glück vorbei. Ab und an durfte man im Büro der Eltern das Telefon nutzen. Dafür hat man früher gern und oft Briefe geschrieben – heute macht das ja kaum noch jemand. Postkarten dagegen schreibe ich immer noch, nicht nur im Urlaub, gern auch mal zwischendurch. Und ist auch irgendwie schön, wenn man dann selber mal wieder eine Karte im Briefkasten vorfindet. Aber vieles wickelt man dann doch per Handy oder Mail ab. Wenn ich dran denke wie das wäre, wenns das Internet nicht gäbe…durch meine Auswanderung und der bundesweiten Zerstreuung der Familie sind Email und Skype die wichtigsten Kommunikationsmittel in unserer Familie geworden.
War interessant Deine Erinnerungen zu lesen….so ein wenig ähnlich sie sich bei einigen…man hatte nicht unbedingt ein Telefon, vermißte es aber auch nicht wirklich…
LG, Petra
Dieses spontane fehlt mir auch, sehr zu gar.
Und ich finde es erst richtig ätzend wenn ich für meine Kinder Tage im Vorraus Freunde-spielnachmittage planen muß. Ätzend. Es gibt leider nur ein paar Freunde hier bei dem wir spontan vorbeikommen können. Das ist schade.
Toll ist das hier im Haus ein Junge wohnt der immer mal wieder bei uns spontan spielt und wo meine Kinder spontan spielen gehen, das ist toll.
Hallo Jana,
dein Beitrag ähnelt doch in Vielem dem meinigen und auch mir fehlt heutzutage das Spontane. Aber wie ich an den anderen Kommentaren sehe, stehn wir damit nicht alleine. Seltsam, dass es trotzdem so ist.
Lieben Gruß
Elke