Ist der Mensch ein Schaf?

Auch auf die Gefahr hin, dass ich mal wieder die Nation spalte und Unmut bei einigen hervorrufe, muss ich doch mal wieder ein paar Auffälligkeiten aus der Bloggerwelt wiedergeben.
Der Mensch definiert sich als Individuum. Daraus aber abzuleiten, dass er dementsprechend individuell handelt und lebt ist ein Trugschluss. Ich könnte jetzt auch den Nagel auf den Kopf treffen und sagen, der Homo Sapiens hat mehr Gemeinsamkeiten mit einer Schafherde als er glauben möchte. Wenn ich mehrmals die Woche meine Kinderwagenrunde drehe, komme ich zwangsläufig an einer großen Herde Kamerunschafe vorbei. Eigentlich müssten sie mich nach einem ¾ Jahr kennen und wissen, dass ich kein Futter für sie habe. Trotzdem blökt ein Schaf, kommt angelaufen und die anderen folgen ihm ohne nachzudenken. Dann stehen sie alle blökend vor dem Zaun und wundern sich, dass es nichts gibt. Ich weiß, das ist gemein, doch ich habe einen großen Spaß dabei.

Doch zurück zu meinem ursprünglichen Gedanken. Warum handeln und leben Menschen gleich? Warum kaufen Millionen Menschen eine Jacke bei einem großen schwedischen Kauhaus, obwohl sie doch wissen müssten, dass die Wahrscheinlichkeit 10 andere Menschen mit der gleichen Jacke in der Stadt zu treffen, bei mindestens 90% liegt?
Warum kaufen 50 von 100 Blogger ein Cynthia-Kochbuch, obwohl es geschätzte eine Million Kochbücher gibt? Ist das Buch so trendy, dass alle die Rezepte nachkochen müssen, obwohl die gute Frau Palmöl in ihren Rezepten anpreist, dessen Anbau im asiatischen Raum Millionen von Quadratkilometer Urwald vernichtet? Ich kann es auch anders herum formulieren. Werden Millionen von Quadratkilometern Urwald vernichtet, weil jetzt alle Muffins mit Palmöl backen müssen? Das ist Anstiftung zur Brandrodung!

Weiterhin scheint das Tragen von so komischen Turnschuhen in der Bloggerwelt „In“ zu sein. Wie oft habe ich in den letzten Monaten Artikel darüber gelesen, wer sich die ganz dringend zulegen musste (Foto inklusive) und damit im Blog den Zugehörigkeitsstatus erwarb. Hinweise auf Kinderarbeit und menschenrechtsverletztende Arbeitgeberhandlungen wurden ignoriert oder ins lächerliche gezogen. Hauptsache man latscht mit diesen Dingern durch die Gegend und gehört „dazu“.

Denn letztendlich geht es nur darum: Dazu gehören. Maßstäbe zu erfüllen. Dabei gehen schon mal Menschenrechte und Individualität verloren.

So gibt es viele Beispiele, die ich nicht verstehe. Ich persönlich lehne es seit der Pubertät ab, Dinge zu kaufen oder zu besitzen, die andere auch haben. Sicherlich, nicht immer ist es Möglich, weil es keine Ausweichmöglichkeit gibt. Wichtiger ist aber, darüber zudenken, was man nachahmt und was man genauso machen muss, wie Millionen andere Menschen. Denn auch wenn ich es nicht immer glauben kann, ist der Mensch trotz alledem ein Individuum und hat ein Kopf zum denken. In dem Bereich ist er dem Kamerunschaf immer noch voraus. Auch wenn Generationen von Menschen  die gleichen Fehler  immer wieder machen. Wie ein Schaf eben [...] .

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Autor: Jana

Hallo, ich heiße Jana. Ich liebe das bloggen und die Fotografie ist meine größte Leidenschaft. Ich freue mich auf deinen Kommentar!

5 Kommentare

  1. Liebe Jana,

    ich liebe ja Dinge, die die Nation spalten sehr… ;) Wie sonst würden gute Diskussionen entstehen.

    Ich selbst sehe es ähnlich wie Du, bin aber – das muss ich zugeben – bei Weitem nicht unfehlbar. Ich bemühe mich, ein “guter Mensch” (man beachte die “Gänsefüsschen”) zu sein. Kaufe viel heimische Erzeugnisse, achte auf bestimmte “Qualitätssiegel” (keine Kinderarbeit z.B.) und habe mir sogar ein Brautkleid gekauft, was von einer Schneiderin in heimischen Gefilden und nicht von Kinderhänden (oder Händen von jungen, armen Frauen oder alten, armen Frauen) in China gefertigt wurde.
    Aber auch ich erliege so mancher Versuchung. An Frau Barcomis Backbuch konnte ich nicht vorbeigehen und meine neuesten Taschenerrungenschaften werden auch immer sofort verbloggt.
    Ja, ab und an bin auch ich ein Schaf. Aber ich “mähe” nicht immer im gleichen Takt wie der Rest. ;)
    Liebe Grüße
    Nadine

  2. tatsächlich habe ich mir das cynthia buch auch gekauft (gutschein eingelöst), weil ich überall so leckere Ergebnisse gesehen hatte. Werbung eben! Die gewirkt hat. ;)
    Dass Palmölproblem hattest du bei mir schon mal kommentiert und ich hatte auch keines gekauft. Bin aber ehrlich, ich hätte das nicht gewusst.
    Ein bedürftnis nach Zugehörigkeit empfand ich dabei nicht, sondern einfach “hunger”. *g*

    Und ich find die Klamotten vom Kleiderschweden einfach schön… nicht immer aber öfters. ;)
    Ich definiere aber “mich” nicht über kleidung, daher ist mir ziemlich wurscht woher ich die Klamotten kriege, hauptsache es passt.

    (Würde noch mehr schreiben, aber ich muss los. ;) )

  3. Es fängt ja im Grunde schon bei so imateriellen Kleinigkeiten an..Naja da steckt natürlich keine Kinderarbeit dahinter “…grade da gesehen, musste ich auch ausprobieren…”sowas mein ich, darum mach ich selten Tests, die durch die Bloggerwelt geistern, Stöckchen nehme ich manchmal mit, manchmal nicht, je nach Arbeitsaufkommen.
    Das mit dem Palmöl hätte ich auch nicht gewusst, ich nutz es, wenn ich einmal in fünf Jahren Kalte Schnauze mache. Das Backbuch hatte ich mir auch angesehen, es aber nicht gekauft, weil es mich nicht überzeugen konnte. Hätte ich es gekauft, hätte ich niciht dazu gehören wollen, sondern ich hätte es für gut empfunden.

    So ist es m it all den Dingen… Ich kaufe nichts, um dazuzugehören… ich kaufe aber mit Sicherheit auch Dinge, die grade in sind – weil und wenn sie mir gefallen. Und da ist mir dann auch völlig schnurzegal, ob die grade in sind oder ob ich jetzt dazugehöre.
    Die Phase hatte ich nie und werde ich wohl auch nicht mehr haben.

    Ich achte darauf, dass keine Tierversuche / Kinderarbeit ect in meinen gekauften Produkten steckt – aber wenn mir was gefällt, dann kauf ich es – es sei denn, es laufen zu viele Leute damit rum (ich denk da besonders an eine Kleiderkette…), dann lass ich es.

    Viel schlimmer finde ich dieses Kamelsein (ach ne, es war n Schaf…)aber bei Meinungen und sonstigen immateriellen Dingen, wenn ich ehrlich bin… Dieses profane “Mir ist Weihnachten zu kommerziell” zum Beispiel. Einer hats gerufen und nu macht die halbe Welt mit. Sollen se halt nicht alle mitmachen bei dem Kommerz – von irgendwas muss er ja kommen. Jedes Jahr im September das Gestöhne, es gibt wieder Weihnachtsssachen…oder das nie endenwollende “Wie? Du hast JETZT schon Dominosteine gekauft?” Ja und? Wenn man in September Hunger drauf hat…

  4. Da gab es mal eine chöne Karrikatur im Eulenspiegel. Man sah eine Schafherde und drunter stand “Wer mit der Herde geht, muß den Ärschen folgen”. Fand ich gut.

  5. @ jana: danke für den tipp ;)

    mhh … es ist schon erstaunlich: auf der einen seite die individualität zu betonen, sich anschließend dem massenwahn zu unterwerfen und dann auf die individualisten zu schimpfen. ;)

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